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Kommentar: Fußball Weltmeister Deutschland - aus der Parallelwelt geworfen

Von Jetzt weiß Joachim Löw, wie sich der größte anzunehmende Unfall für einen Fußball-Trainer anfühlt. Das deutsche Team ist bei der Weltmeisterschaft in Russland bereits nach der Vorrunde ausgeschieden.
Foto: Christian Charisius

Jetzt weiß Joachim Löw, wie sich der größte anzunehmende Unfall für einen Fußball-Trainer anfühlt. Das deutsche Team ist bei der Fußball Weltmeisterschaft in Russland bereits nach der Vorrunde ausgeschieden – erstmals und als amtierender Weltmeister. Das macht die Sache doppelt niederschmetternd, vor allem für Löw, der als erster Trainer nach dem Italiener Vittorio Pozzo vor 80 Jahren zweimal in Folge Weltmeister werden wollte.

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Auch wenn das Land momentan andere, vielleicht grundsätzlichere Probleme auf politischem Terrain hat: Nahezu jeder hat irgendwann einmal selbst Fußball gespielt, die Nationalmannschaft repräsentiert irgendwie uns alle. So eine Wunde wie die gestern geschlagene tut immens weh.

Die Mannschaft aus Südkorea bildet nach dem Spiel einen Kreis, während Toni Kroos den Platz verlässt.
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Auf dem Tiefpunkt der deutschen WM-Geschichte zieht Bundestrainer Löw nicht sofort persönliche Konsequenzen. Teammanager Bierhoff kündigt eine knallharte Aufarbeitung an: „Es wird alles hinterfragt.” Kapitän Neuer nennt den Vorrunden-K.o. in Russland „bitter und erbärmlich”.

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Bereits bei den beiden zurückliegenden Weltmeisterschaften war der Titelträger in der Vorrunde gescheitert. Das kann keine Entschuldigung für die von der deutschen Mannschaft in Russland gezeigten Leistungen sein. Aber es zeigt, dass auch andere große Fußball-Nationen schon konzeptionell auf dem Holzweg waren.

Zu den Fakten: Die Vorrunden-Gruppe war für Löw und sein Team absolut machbar. Gegen Mexiko, Schweden und Südkorea auszuscheiden, ist ein Offenbarungseid, aber auch die logische Strafe für eine Mannschaft, in der – von einigen Minuten gegen Schweden abgesehen – nichts zusammenlief.

Dafür gibt es Gründe. Praktisch keiner von den vor Turnierbeginn zu „Säulen“ ausgerufenen Weltmeistern von 2014 präsentierte sich in der erforderlichen Form. Mesut Özil, Sami Khedira und Thomas Müller waren die erschreckendsten Beispiele für Spieler, die ihren Zenit überschritten haben – so wie Schweinsteiger und Podolski bei der EM 2016. Von den „Jungen“ drängte sich höchstens Julian Brandt auf. Das ist zu wenig, die Balance im Kader stimmte nicht. Dafür ist der Bundestrainer voll verantwortlich.

Bundestrainer Joachim Löw (M.) stand nach der Landung in Frankfurt am Main im Fokus.
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Nach einer unruhigen Nacht in Watutinki kehren Deutschlands gestürzte Weltmeister nach Hause zurück. DFB-Präsident Grindel erwartet nach dem historischen WM-Aus Erklärungen von Bierhoff und Löw. Der hart urteilende Kapitän Neuer will am Neubeginn teilnehmen.

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Voll verantwortlich ist Löw auch für den fehlenden Hunger im Team. „Der Jogi lebt jetzt in seiner eigenen Weltmeisterwelt“, wird ein Vertrauter in einer brillanten Zustandsbeschreibung und Charakterstudie im „Spiegel“ zitiert. Genauso haben viele seiner Spieler in Russland gespielt. Sie haben sich aus der Parallelwelt, die der DFB rund um „die Mannschaft“ geschaffen hat, nicht befreien können.

In einer solchen Parallelwelt wird der Sprengstoff der Erdogan-Foto-Affäre nicht erkannt, obwohl Präsident Grindel aus der Politik kommt. Es wird über das Hotel gemeckert, und Angestellte aus der dritten Reihe pöbeln auf dem Platz.

Es gibt jede Menge aufzuarbeiten. Und natürlich muss auch über den Bundestrainer gesprochen werden. Wobei Joachim Löw mit sich und dem Verband so ehrlich sein sollte, das Ausmaß seiner Fehler von selbst zu erkennen.

christian.heimrich@fnp.de 

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