Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Weirich am Montag: Hanswürste im "Erdowahn"

Von
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Foto: Depo Photos Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Foto: Depo Photos

Wenn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seine martialischen Attacken gegen Deutschland reitet und von uns immer in der dritten Person als Hans spricht, meint er immer den Deutschen in seiner ganzen Unbelehrbarkeit. Dass er die Deutschen allesamt duzt, hängt mit der türkischen Sprache ohne grammatischem Geschlecht zusammen. Hans steht für Deutscher, ist aber keine herabwürdigende Kennzeichnung wie etwa Piefke, worin Österreicher deutsche Spießer zu erkennen glauben, oder die teutonische Einordnung Fritz bei Engländern und Russen, einem Synonym für muskelstrotzende Prahler und Wichtigtuer.

Allerdings kennt die über keinen Genus verfügende türkische Sprache nicht nur den geschlechtslosen Hans, sondern auch das berühmte deutsche Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. In dieser Spruchweisheit sieht sich der Sultan aus Ankara bestätigt, wenn seiner „Demokratur“ in Europa und vor allem in Deutschland nicht die nötige Ehrerbietung entgegengebracht wird. Berlin verletze demokratische Rechte, wenn es Auftrittsverbote für türkische Politiker ausspreche, gleichzeitig aber rechtsstaatliche Prinzipien in der Türkei und die Freilassung inhaftierter Landsleute einfordere.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Eric Richard (priv.)

Erdogans Amoklauf gegen Deutschland, der Türkei seit Jahrhunderten durch eine besondere Beziehung verbunden, trägt psychopathologische Züge. Einerseits will er einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und eine Belebung des darniederliegenden Tourismus’, andererseits schimpft er auf Deutschland, dessen „Agenten kommen und tummeln sich hier in Hotels und zerteilen mein Land“. Deutschen Medien wird eine Besessenheit gegen Erdogan vorgeworfen, es seien die „Gedanken von Geistesgestörten“. Regimetreue Zeitungen nennen Merkel „schlimmer als Hitler“, bedauern ihre Landsleute, weil diese in Deutschland bei Krankheit nicht behandelt, aus Unternehmen entlassen würden und keine Wohnungen mehr anmieten könnten.

„Selbstachtung“ hat Bundespräsident Steinmeier im Umgang mit dem autoritären Politiker und seiner Regierung gefordert. Wenn Hans in diesem an die DDR erinnernden „Erdowahn“ nicht zum Hanswurst werden will, sollte Berlin, ähnlich wie von Österreich, Holland und Belgien gefordert, eine härtere Gangart einlegen.
Konkret bedeutet das ein Aus für die Beitrittsgespräche in der
Europäischen Union und eine klare Absage an die Erweiterung der Zollunion.

Da nahezu alle Direktinvestitionen in der Türkei aus dem Westen kommen, wäre das für den Potentaten vom Bosporus besonders schmerzlich.

Mit einer so klaren Haltung würde die Regierung Merkel auch klarmachen, dass sie politisch nicht erpressbar ist und notfalls auch ein Scheitern des Deals in der Flüchtlingsfrage mit in Rechnung gestellt wird.

Zur Startseite Mehr aus Meinung der Redaktion

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse