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Weirich am Montag: Hörsturz durch Gendern

Katarina Barley (SPD), Bundesjustizministerin, ist für das "Gendersternchen". Foto: Kay Nietfeld/Archiv Katarina Barley (SPD), Bundesjustizministerin, ist für das "Gendersternchen".

Mobilisierte „Genderianerinnen“ hoffen auf eine Sternstunde. Am Freitag nächster Woche entscheidet der Rat für deutsche Rechtschreibung, der Empfehlungen für die Schreibweise von Wörtern ausspricht, über die künftige geschlechtergerechte Sprache. Eine Sitzung, die Erwartungen bei sich progressiv Wähnenden schafft, dass das Gendersternchen, das zwischen Wortstamm und weibliche Endung (Kolleg*innen) gesetzt wird, ganz offiziell in das Regelwerk des Dudens aufgenommen wird. Damit soll signalisiert werden, dass nicht nur Mann und Frau, sondern alle anderen gefühlten, geänderten und umgewandelten inter- und transsexuellen Geschlechter gemeint sind.

von Prof. Dieter Weirich Bild-Zoom Foto: Eric Richard (priv.)
von Prof. Dieter Weirich

In der Bundesregierung sieht eine Ministerin eine solche Veränderung bereits sternenhell: Die Sozialdemokratin Katarina Barley betrachtet einen solchen Wandel mit einem entspannenden Blick auf andere Formen von Identität und Lebensweisen. „Sprache sagt viel darüber aus, wie eine Gesellschaft tickt und zusammenhält“, fügt die Justizministerin hinzu. Da hat sie zweifelsohne recht. Die Frage, wie viel Mitbürger aber mit dieser sich zum „Genderwahn“ eskalierenden Sprachbeschädigung in die innere geistige Emigration getrieben werden, stellt sich Frau Barley nicht. Die Debatte ist nämlich so überflüssig wie ein Kropf, denn das grammatische Geschlecht hat mit dem biologischen nichts zu tun. Schon deswegen sind weitere Kniefälle vor dem Zeitgeist kontraproduktiv. Würde es um eine begrifflich gerechte Verteilung von Worten gehen, brät der Genus ohnehin schon jetzt eine Extrawurst für das weibliche Geschlecht. 46 Prozent sind feminin, 24 Prozent maskulin und 20 Prozent neutral. Meine vor Jahrzehnten aus Lateinamerika eingewanderte Freundin hat beim Erlernen der deutschen Sprache beispielsweise nie kapiert, dass es der Mann, die Frau, aber das Fräulein heißt.

Wenn Sprache Malerei für das Ohr ist, wie es poetisch heißt, hat die Genderei ohnehin schon Hörstürze am Fließband angerichtet. Früher sprach man von den Schülern, jetzt sind es die „SUS“, Universitäten und Forschungseinrichtungen sind „Brutstätten eines entgrenzten Gleichstellungswahns“ – so das Magazin „Cicero“-geworden. Den sprachlichen Tod des Mannes bezahlt der Steuerzahler.

Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof hat gerade darauf aufmerksam gemacht, dass Sprachgebote im Namen der Gleichberechtigung oft dem Anliegen schaden, das sie befördern sollen. Das Gleichberechtigungsanliegen verdiene nicht, zu einem Sprachärgernis zu werden, das die Angesprochenen bedränge oder in ihrer alltäglichen Sprechweise verunsichere. „Wir sollten“, so Kirchhof, „die Gestaltungskraft der Rechtssprache und die Gewährleistung der Denk-, Meinungs- und Sprechfreiheit für die Gleichberechtigung einsetzen“.

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