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Kommentar: Homo-Ehe: Warum so handstreichartig?

Von Der Zeitgeist ändert sich rasant. Vor 15 Jahren galt noch der als fortschrittlich, der für das rot-grüne Partnerschaftsgesetz war. Jetzt gilt nur noch der als fortschrittlich, der für die volle Gleichstellung der Homo-Ehe ist. Ein Kommentar.
Symbolbild Symbolbild

Der Zeitgeist ändert sich rasant. Vor 15 Jahren galt noch der als fortschrittlich, der für das rot-grüne Partnerschaftsgesetz war. Wer sich dagegen aussprach, wie die damals von Edmund Stoiber angeführte Union, galt als konservativ, wenn nicht sogar reaktionär. Jetzt gilt nur noch der als fortschrittlich, der für die volle Gleichstellung der Homo-Ehe ist. Und wer seinem Standpunkt von damals treu geblieben ist, also das Partnerschaftsgesetz für ausreichend hält, muss sich vor dem Zeitgeist rechtfertigen – so wie viele Christdemokraten, die gestern (vergeblich) mit Nein gestimmt haben.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Doch nicht alle, die für die Homo-Ehe sind, wissen, dass damit auch das volle Adoptionsrecht verbunden ist. Die große gesellschaftliche Mehrheit für die Homo-Ehe wird schon kleiner, wenn dieser konkrete Aspekt abgefragt wird. Als in Frankreich und Italien linksliberale Regierungen ans Ruder kamen und das volle Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare beschlossen wurde, ging dagegen in Paris und Rom auch die eigene Klientel auf die Straße. Einige dieser Gegner stellen sich vor, dass sie selbst nicht hätten bei einem Homo-Paar aufwachsen wollen. Andere halten das Thema nicht für so groß, wie es von vielen gemacht wird. Denn das Partnerschaftsgesetz sorgte ja schon fast für die volle Gleichstellung.

Man muss wegen der „Ehe für alle“ (eigentlich ein irreführender Begriff, denn Geschwisterehe z.B. bleibt verboten) sicher nicht gleich den Untergang des Abendlandes ausrufen. Man sollte vielmehr auch mal an das Leid denken, das viele Homosexuelle in der Vergangenheit erfahren haben. Dennoch ist es sinnvoll, einige skeptische Gedanken an das Handstreichartige zu verwenden, mit dem hier das Grundgesetz übergangen wird. Schließlich hat deshalb auch keine Geringere als die Bundeskanzlerin mit „Nein“ gestimmt. Zum einen ist für sie, die ja nicht einmal gegen das Adoptionsrecht ist, ganz klar, dass das Grundgesetz nur die Ehe von Mann und Frau privilegiert. Diese klare Rechtslage mit einem einfachen Mehrheitsgesetz auszuhebeln, würde sicher kritischer gesehen, wenn dies mal von „rechts“ statt von „links“ geschehen würde.

Und damit sind wir auch beim zweiten Vorhalt, der Merkels Abstimmungverhalten sicher beeinflusst hat. Es war nämlich nicht die feine englische Art, wie sich der Koalitionspartner SPD verhalten hat. Nur weil es in einem bestimmten Punkt eine andere Mehrheit im Bundestag gibt, geht man dem Koalitionspartner nicht so einfach von der Fahne. Wenn die SPD lieber mit Grünen und Linken hätte koalieren wollen, hätte sie dies schon während der ganzen Legislatur machen können. Hat die SPD jetzt auch den Mut, im hiermit endgültig eröffneten Wahlkampf auf Rot-Rot-Grün zu setzen?

Ist der Beschluss zur Gleichberechtigung der „Homo-Ehe“ trotz der Hast noch nachvollziehbar, sollte er jetzt nicht mit dem Automatismus verbunden werden, künftig auch „Kinder für alle“ zu fordern. Denn ein Run auf Leihmutterschaften und Retortenbabys widerspräche gerade den humanen und christlichen Werten, auf die sich die Ja-Sager berufen durften.

dieter.sattler@fnp.de Berichte Seite 1 und 2

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