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Kommentar zur Eintracht: In Wahlkabine nichts zu suchen

Von Selbstverständlich darf sich der Präsident eines Sportvereins zu seinen politischen Vorstellungen äußern. Nur eines muss in einer freiheitlichen Demokratie klar sein: Was die Mitglieder seines Vereins in der Wahlkabine tun, geht ihn schlicht und ergreifend nichts an. Ein Kommentar von Daniel Gräber.
Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt e.V. (r). Foto: Frank Rumpenhorst Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt e.V. (r).

Nicht nur das Wahlergebnis (99 Prozent für den Präsidenten Peter Fischer) erinnerte Beobachter der gestrigen Eintracht-Mitgliederversammlung an einen Parteitag in Peking oder Pjöngjang. Auch die „Aussprache“ über Fischers Thesen zum richtigen Wahlverhalten seiner Mitglieder erzeugte den Eindruck einer zur Schau gestellten Geschlossenheit, die über Streitpunkte hinwegtäuschen sollte. Denn die Forderung Fischers, wer die AfD wähle, sei in der Eintracht fehl am Platz, ist innerhalb der Mitgliedschaft umstritten. Auf der Versammlung traute sich jedoch keiner seiner Kritiker aus der Deckung.

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Zu kritisieren gäbe es an Fischers Vorstoß allerdings etwas Grundsätzliches. Selbstverständlich darf sich der Präsident eines Sportvereins zu seinen politischen Vorstellungen äußern. Er darf und muss auch dafür sorgen, dass in seinem Verein Fremdenfeindlichkeit und andere Formen der Diskriminierung keinen Platz haben. Wenn auf dem Trainingsgelände oder im Stadion Menschen wegen ihrer Hautfarbe beleidigt oder benachteiligt werden, ist sein Einschreiten gefordert. Auch wenn die AfD (oder eine andere Partei) den Verein zu Wahlkampfzwecken missbrauchen würde, könnte der Eintracht-Präsident ein Machtwort sprechen. Nur eines muss in einer freiheitlichen Demokratie klar sein: Was die Mitglieder seines Vereins in der Wahlkabine tun, geht ihn schlicht und ergreifend nichts an.

Ein „Wahlbekenntnis“ zur AfD sei mit einer Eintracht-Mitgliedschaft unvereinbar, meint Fischer. Doch aus guten Gründen gibt es ein solches Bekenntnis in unserer Republik nicht. Für die eigene Wahlentscheidung ist man niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig: nicht dem Staat, nicht dem Ehepartner, und auch nicht dem Vorstand seines Sportvereins. Das Wahlgeheimnis ist ein Fundament unserer Demokratie. Eine Pflicht zum Wahlbekenntnis wäre ihr Ende.

Daher ist auch Fischers gestern angedeutetes Entgegenkommen in Wirklichkeit gar keines. Er versicherte allen Mitgliedern, dass kein AfD-Sympathisant Konsequenzen zu fürchten habe. Denn ihr Wahlverhalten werde nicht geprüft. Dass der Vereinspräsident meint, dies ausdrücklich betonen zu müssen, stimmt nachdenklich. Wer das Wahlverhalten eines anderen „prüft“, begeht eine Straftat.

politik@fnp.de

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