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Kommentar: Islam gehört dazu, aber nicht in jeder Form

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Bundesminister Horst Seehofer hat mit seiner Islam-Äußerung eine parteiinterne Debatte losgetreten. Foto: Kay Nietfeld Bundesminister Horst Seehofer hat mit seiner Islam-Äußerung eine parteiinterne Debatte losgetreten.

Manches in der Welt ist zu kompliziert, als dass es in die Formeln der Politiker passen würde. Dazu gehört die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht. Den Politikern ist kein Vorwurf zu machen, wenn sie bei all ihren tagespolitischen Pflichten nicht die Zeit haben, alle Fragen tief zu durchdringen, aber sie haben Berater, die ihnen zuarbeiten können. Deshalb ist es kaum zu verstehen, dass Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister Seehofer so oberflächlich argumentieren. Wenn Seehofer sagt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, aber die fünf Millionen Muslime schon, liegt er damit genauso falsch wie Merkel. Sie behauptet, der Islam gehöre zu Deutschland, weil die fünf Millionen dazugehören. Seehofer macht den Fehler, die Muslime von ihrer Religion zu trennen. Merkel macht den Fehler, aus der Existenz der Muslime und ihrer Religion den normativen Anspruch abzuleiten, dass der Islam zur Substanz dieses Landes gehöre.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Oder wie ein FAZ-Kollege schrieb, könnte es heißen: Der Islam ist in Deutschland. Damit wird man der Realität gerecht, muss aber nicht alles, was aus dieser Richtung kommt, für gut befinden. Selbst der politisch eigentlich eher links angesiedelte Publizist Götz Aly, dessen Familienwurzeln überdies in türkischem Gebiet liegen, betonte unlängst, dass unerfreuliche Erscheinungsweisen des Islam wie dessen aggressive Ausprägung, der politische Islamismus, der türkische Ditib-Staatsislam oder gar der Salafismus nicht zu Deutschland gehören sollten.

Der Islam ist natürlich nicht darauf zu reduzieren. Wir verdanken seiner Blütezeit die Bewahrung der griechischen Philosophie und die Erfindung der Algebra, aber man muss umgekehrt fragen, warum diese reiche Tradition weitgehend versiegt und diese Religion oft so verengt und dogmatisch auftritt. Vor allem liegt es wohl daran, dass der Islam nicht durch das Fegefeuer der Aufklärung hindurchgegangen ist. Gewiss haben auch Christen- und Judentum fundamentalistische Anhänger, die andere Religionen verachten. Aber sie sind eindeutig in der Minderheit, während die aggressiven Islamisten zwar nicht die Mehrheit, aber im Aufwind sind.

Man muss deshalb konstatieren, dass auch der Islamismus zur deutschen Realität gehört, muss es aber nicht akzeptieren. Diese Tendenz muss bekämpft werden, nicht zuletzt von liberalen Muslimen selbst. Damit ist auch klar, dass eine solche Haltung von pauschaler Verurteilung oder gar Rassismus weit entfernt ist – aber auch von verharmlosender Beschönigung.

dieter.sattler@fnp.de Bericht auf dieser Seite

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