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Kolumne: Jugendfrei

Die Ehe ist kein Film, der mit einem Happy End aufhört. Im Gegenteil, mit der Hochzeit beginnt die wahre Herausforderung des Miteinanders.
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Meine Frau Elisabeth und ich sind nun schon zwanzig Jahre glücklich verheiratet. Glücklich verheiratet bedeutet nicht, dass wir andauernd vor Verliebtheit über den Wolken schweben und uns fortwährend umarmen. Bei unserer Hochzeit war meine Frau bereits vierzig Jahre alt und ich fünfzig. Wir hatten schon Erfahrungen gesammelt. Das war ein Schlüssel zum Erfolg unseres Beisammenseins. Denn zur gemachten Erfahrung gehört auch das Wissen, dass eine Ehe kein Film ist, der mit einem Happy End aufhört. Im Gegenteil, mit der Hochzeit beginnt die wahre Herausforderung des Miteinanders.

Wir wussten beide, dass die Phase der ersten Verliebtheit irgendwann endet. Danach beginnen die Pflichten des Alltags. Wie kommt man Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr miteinander aus? Wir hatten zunächst Pech. Gut zwei Wochen nach unserer Hochzeit musste ich unvermittelt ins Krankenhaus. Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass ich einen bleibenden gesundheitlichen Schaden hatte. Dies hatte ich nicht gewusst. Ich erklärte dies meiner Frau nach der Rückkehr aus der Klinik. Ich stellte ihr frei, die Ehe zu beenden, da wir diese unter der Voraussetzung eingegangen waren, dass ich gesund wäre. Elisabeth erwiderte, sie habe mich geheiratet, um gute und schlechte Zeiten mit mir zu teilen und mir beizustehen, das Gleiche erwarte sie von mir. Basta. Diese Entschiedenheit schmiedete uns fest aneinander.

Doch nach einer Weile stellte sich die Routine ein. Zwei erwachsene Menschen haben, auch wenn sie sich lieben, unterschiedliche Interessen. Gelegentlich widersprechen sich die Ziele und Bestrebungen. Man versucht, sie in Einklang zu bringen. Das ist nicht immer möglich. Es kommt zum Streit. Das ist zunächst für beide ein Schock. Und dennoch gibt es auch dabei eine eiserne Regel. Nie den Partner verletzen und schon gar nicht in Gegenwart anderer. Auf diese Weise verliert niemand das Gesicht.

Hinzu kommen zwei goldene Regeln, die ich bei meinen Eltern abgeschaut habe. Beide waren nach einem Streit unfähig, sich beim Ehepartner zu entschuldigen. Das konnte ich bereits als Kind nicht verstehen. Warum nicht sagen, dass mir ein Wort oder eine Tat Leid taten? Aus meiner Ego-Krone fällt mir dabei keine Zacke. Und die Frau oder der Mann spüren, dass die Partnerschaft wichtiger ist als der dumme Stolz.

Das wichtigste Erfolgsrezept einer guten Ehe aber habe ich ebenfalls bei meinen Eltern beobachtet. Die Bereitschaft nach rascher Harmonie. Es gibt bleibende Gegensätze, damit muss man leben lernen. Die Liebe muss stets wichtiger sein – und das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit. Meine Eltern setzten sich oft auseinander. Doch noch ehe sie schlafen gingen, nahmen sie sich in den Arm. Die Nacht musste in Frieden miteinander verbracht werden. Es mochte sein, dass man sich am nächsten Tag wieder stritt. Doch die Stunden der Nacht blieben Stunden des Friedens. Auf diese Weise konnte der Zorn abkühlen.

Das haben Elisabeth und ich übernommen. Seit wir zusammen sind, umarmen wir uns vor dem Einschlafen. Die Wärme und die Nähe des Partners ist Balsam für unsere Seelen. Selbst wenn sie aufgewühlt waren, finden sie zueinander.

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