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Kommentar: Kein Sieger, nur Verlierer

Von Donald Trump macht Ernst. Seine Ankündigung, das Freihandelsabkommen mit Mexiko zur Disposition zu stellen, war nicht nur Wahlkampf-Rhetorik.
Michael Balk Foto: FNP Michael Balk

Trump hat dem Nachbarland den (Wirtschafts-)Krieg erklärt. Derzeit ist er dabei, (verbal) aufzurüsten, den Gegner einzuschüchtern und die Autokonzerne, die Mexiko als billigen und zuverlässigen Produktionsstandort für die Belieferung des US-Marktes entdeckt haben, zu disziplinieren. Trump mag sich gedacht haben, ,man wächst mit seinen Gegnern‘, als er sich für seine ersten Angriffe zwei der drei Weltmarktführer auswählte. Zunächst bekam General Motors eine Breitseite ab, gestern drohte er Japans Autoriesen Toyota Strafzölle an. Fehlt aus dem globalen Auto-Dreigestirn nur noch Volkswagen. Die Wolfsburger sind aber aktuell für Trump wohl keine Option, da in Folge von „Dieselgate“ angeschlagen und somit kein Gegner auf Augenhöhe.

Der neugewählte US-Präsident Donald Trump. Foto: Albin Lohr-Jones
Japans Regierung nimmt Autobauer in Schutz Donald Trump droht auch Toyota hohe Strafzölle an

Der künftige US-Präsident Donald Trump mischt kurz vor Beginn der ersten großen Automesse des Jahres die gesamte Branche auf. Nach General Motors und Ford droht er nun in Richtung Japan und bringt die Regierung in Tokio gegen sich auf.

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Die Autoindustrie, die sich gerade in Detroit zur ersten großen Branchenschau des Jahres trifft, muss sich schnell sortieren, um nicht in aller Kürze von den aggressiven Tacklings des Republikaners an die Wand gedrückt zu werden. GM-Chefin Mary Barra hatte mutig reagiert und Trump die Stirn geboten. Zur Verteidigung von Toyota musste gar der japanische Handelsminister ran. Leider gab Ford ohne Gegenwehr klein bei, strich die geplante Mexiko-Investition zugunsten einer US-Fabrik – kampflos ergeben, das dürfte Trump gefallen haben.

Doch Fords Reaktion ist eine Gefahr für die gesamte Autobranche. Wenn es Schule machen sollte, Investitionspläne für Mexiko zu verwerfen, um sich „lieb Kind“ beim künftigen US-Präsidenten zu machen, dann ’Gute Nacht’. Man darf gespannt sein, wie die deutschen Hersteller BMW, Mercedes und Audi mit ihren Mexiko-Plänen umgehen werden. Die Autohersteller sollten sich klar machen, dass sie nicht einem vom Protektionismus beseelten Immobilien-Milliardär, sondern ihren Eigentümern und Kunden verantwortlich sind. Entscheidungen über neue Werke und Modelle können doch nicht nach bestem Wissen und Gewissen von Trumps Launen und Wahlkampfgetöse abhängig gemacht werden.

Auch wenn Trump nach seinem Amtsantritt zum mächtigsten Mann der Welt aufsteigt, hat er sich an Recht und Gesetz zu halten. Das schließt auch das Freihandelsabkommen Nafta mit dem Nachbarland im Süden ein. Eine einseitige Aufkündigung ohne verbindliche Nachfolgeregelung wäre ein eklatanter Bruch internationalen Wirtschaftsrechts. Sollte es so weit kommen, steht die Welt am Rand eines Handelskrieges, bei dem es keinen Sieger, sondern nur Verlierer gibt. Trumps Beraterstab sollte den Dienstherren frühzeitig auf solch gravierende Konsequenzen hinweisen. Nachzulesen im kleinen Handbuch der Nationalökonomie.

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