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Keine Strippenzieher mehr

Dieter Weirich Dieter Weirich

„Jünger, bunter und weiblicher“, aber auch „offener und diskutierfreudiger“ soll die CDU werden, fordert ihr Generalsekretär Peter Tauber. Wenn der Partei-Modernisierer im Kampf gegen den dramatischen Mitgliederschwund nicht zur Karikatur seiner hehren Ziele werden will, muss er nach der spektakulären Nominierung der Bundestagskandidaten in den Wahlkreisen 183 (Frankfurt) und 181 (Main-Taunus/Hochtaunus) einen sichtbaren Anlauf zur Überwindung der versteinerten Strukturen in Hessens Regierungspartei machen.

Während Reformkommissionen überlegen, ob nicht die Mitglieder künftig per Urwahl die oder den Kanzlerkandidaten bestimmen sollten, gefällt sich die CDU auf lokaler Ebene in hierarchischen Exzessen. In Hinterzimmern verständigen sich in Frankfurt die Strippenzieher einer Links-Rechts-Häkelkoalition, wer es denn machen soll. Gäbe es ein „politisches Kartellamt“, dieses wettbewerbswidrige und leistungsfeindliche Vorgehen würde verboten. In Berlin, wo die CDU noch schlimmer als in Frankfurt gerupft wurde, ist man in einigen Bezirken schon weiter. Dort entscheiden alle Mitglieder und nicht nur die Delegierten über die Bewerber.

Bei der Wahl von Bettina Wiesmann in Frankfurt haben die Delegierten eindrucksvoll demonstriert, was sie von Bevormundung und Paternalismus halten. Sie entscheiden, wen oder was sie wollen. Gut so.

Gewarnt sind auch die Partei-Oberen um Staatsminister Wintermeyer im Wahlkreis Main-Taunus, die sich durch die Bewerbung des hochbegabten jungen Berliner Beamten Martin Heipertz mit Kelkheimer Wurzeln gestört fühlten. In einem Parforceritt holte sich der kreative Außenseiter fast die Kandidatur. Neben seiner brillanten Vorstellung und seiner offenen Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik eroberte er sich auch Sympathien durch die kleinkarierte Behinderungspolitik seitens der Funktionäre.

Der Hindernislauf für den unerwünschten Mitbewerber begann mit einer zeitlichen Vorverlegung der Delegiertenkonferenz, was ihm die Chance nahm, sich überall vorzustellen. Die Übermittlung der Adressen der Entscheider wurde verweigert. Mehr Pepita geht nicht. „Wenig sportlich“ nannte es der Kandidat.

Die Reaktion der Mitglieder in beiden Wahlkreisen zeigt aber den Wunsch nach Fairness und Offenheit. Das Ende der Strippenzieher naht. Taubers Ankündigungen sind bisher nur hohle Worte. Viele Versprechungen verringern die Glaubwürdigkeit, sagt eine alte lateinische Spruchweisheit.

Kurt Biedenkopf, in dessen Ägide als „General“ sich die Partei fast verdoppelte, hat einen einfachen Ratschlag zur Reform bereit. Entscheidend sei, „Debatten zuzulassen“. Ob das aber im Sinne von Taubers Chefin ist?

politik@fnp.de

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