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Kommentar: Kitas: Es kommt auch auf die Qualität an

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Foto: Christian Charisius/Symbolbild Foto: Christian Charisius/Symbolbild

Der politische Streit um die Gebührenfreiheit der hessischen Kindertagesstätten schwelt schon lange. Während das SPD-geführte Rheinland-Pfalz als Nehmerland des Länderfinanzausgleichs schon vor Jahren die Eltern von den Kita-Gebühren entlastete, blickten die Verantwortlichen in Hessen, einem der größten Geberländer, neidvoll bis verärgert auf die andere Rheinseite.

Nun hat die schwarz-grüne Landesregierung in Wiesbaden umgeschwenkt. Von August an kommen auch hessische Eltern in den Genuss, für sechs Stunden Betreuung in den Kindertagesstätten nichts mehr bezahlen zu müssen. Kosten fallen dann nur noch für Familien an, die ihren Nachwuchs noch länger in der Kita lassen. Damit hat die Regierung Bouffier die SPD pünktlich vor Beginn des Landtagswahlkampfs eines wichtigen Wahlkampfthemas beraubt. Allerdings nicht ganz: Den Sozialdemokraten geht der Plan nicht weit genug; sie fordern eine komplette Gebührenbefreiung.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Salome Roessler

Viele Eltern haben aber eine andere Priorität: Ihnen wäre eine deutliche Investition in die Qualität der Betreuung wichtiger, zum Beispiel ein besserer Personalschlüssel. Das wäre auch dringend geboten. In vielen Einrichtungen sind die Erzieher überfordert von den Anforderungen an ihren Job, die erheblich gewachsen sind. Der Anteil verhaltensauffälliger Kinder steigt, der bürokratische Aufwand ebenfalls – und gleichzeitig werden die Forderungen nach frühkindlicher Bildung lauter. Das alles ist nicht zu leisten ohne zusätzliches und gut ausgebildetes Personal. Zwar fließt ein Teil der zusätzlichen Mittel, die das Land künftig zur Verfügung stellt, auch in qualitative Verbesserungen. Das geht aber etwa der oppositionellen FDP nicht weit genug.

Unzufrieden mit der Neuerung sind auch viele Kommunen. Sie fürchteten, am Ende die Zeche bezahlen zu müssen, weil die zusätzliche Überweisung aus der Landeskasse die steigenden Kosten nicht voll abdeckt. Eine Situation, die in Zeiten klammer kommunaler Haushalte schwer vermittelbar ist. Und wenn die Städte und Gemeinden dann das Geld an anderer Stelle, wie bei Schwimmbädern oder Bibliotheken, einsparen müssen, haben Familien unter dem Strich weniger gewonnen, als es auf den ersten Blick erscheint.

Dennoch ist die Entscheidung überfällig, denn gerade in Zeiten schwieriger Integration vieler Einwandererkinder kann die Gebührenbefreiung dazu beitragen, dass vor allem kinderreiche Familien, die zu Hause kein Deutsch sprechen, ihren Nachwuchs häufiger in Kitas anmelden, wo sie rechtzeitig noch vor der Einschulung unsere Sprache lernen. Auch diesen Effekt zweifeln einige Kritiker jedoch an.

Die Auswirkungen der Gebührenbefreiung sind also noch unklar, entscheidend aber ist, dass sich hessische Familien auf eine große finanzielle Entlastung freuen können. Und das kommt sehr vielen Müttern und Vätern in einer Lebensphase mit kleinen Kindern, in denen ein Elternteil häufig seine Arbeitszeit und damit das Familieneinkommen reduziert, sehr gelegen. Sollte sich allerdings herausstellen, dass die Last für die Kommunen zu hoch wird, wird das Land nachjustieren müssen.

christiane.warnecke@fnp.de Bericht Seite 1

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