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Kommentar: Kläranlagen:Das Land Hessen ist gefragt

Eine Labormitarbeiterin hält eine Indikatorkulturplatte zum Nachweis von resistenten Bakterien in der Hand. Britische Forscher warnen davor, dass resistente Keime jährlich zehn Millionen Menschen pro Jahr das Leben kosten könnten. Foto: Daniel Karmann/Symbolbild Eine Labormitarbeiterin hält eine Indikatorkulturplatte zum Nachweis von resistenten Bakterien in der Hand. Britische Forscher warnen davor, dass resistente Keime jährlich zehn Millionen Menschen pro Jahr das Leben kosten könnten. Foto: Daniel Karmann/Symbolbild

Die Keimfunde in Frankfurter Gewässern haben die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein Problem gelenkt, das Fachleuten schon lange bekannt war, bei den zuständigen Politikern aber offenbar nicht sonderlich weit oben auf der Agenda stand: Herkömmliche Kläranlagen sind regelrechte Zuchtbecken für antibiotikaresistente Keime. Sie gelangen von dort aus in Bäche und Flüsse, können sich fortpflanzen und weiterentwickeln. Eines Tages, so ein von Medizinern und Mikrobiologen gefürchtetes Szenario, sind Bakterien mit Resistenz-Genen in der Umwelt so weit verbreitet, dass gegen Infektionen kein Medikament mehr hilft.

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Um dieser Gefahr vorzubeugen, muss an verschiedenen Stellen angesetzt werden. Die kommunalen Kläranlagen sind eine davon. Über deren Aufrüstung mit einer vierten Reinigungsstufe wird schon seit Jahren diskutiert. Meist ging es dabei um chemische Schadstoffe, vor allem Arzneimittelrückstände, die mit der herkömmlichen Aufbereitungstechnik nicht ausreichend entfernt werden können. Die Gefahr antibiotikaresistenter Keime ist ein zusätzliches Argument für den Ausbau der Abwasseraufbereitung. Doch während in Baden-Württemberg und in der Schweiz bereits flächendeckend in vierte Reinigungsstufen investiert wird, tut sich in Hessen noch viel zu wenig.

Einzelne Kommunen haben die Dringlichkeit erkannt und hoffen nun auf Unterstützung durch das Land. Andere wollen ihren Bürgern keine steigenden Abwassergebühren zumuten und tun erst mal nichts, solange verbindliche Vorgaben fehlen. Doch Bäche und Bakterien machen keinen Halt vor Stadtgrenzen . Deshalb ist das hessische Umweltministerium gefragt. Um die Keimausbreitung über das Abwassersystem wirksam zu bekämpfen, ist eine landesweite Strategie notwendig. Vereinzelte Pilotprojekte reichen nicht aus.

daniel.graeber@fnp.de Bericht auf Seite 1

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