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Klimaschutz mit Trump-Schatten

Von Zugegeben, dieser Tage über den Klimawandel zu räsonieren, drängt sich auf unserm gefühlt immer durchgeknallteren Planeten nicht gerade auf.
Klaus Späne Klaus Späne

Zugegeben, dieser Tage über den Klimawandel zu räsonieren, drängt sich auf unserm gefühlt immer durchgeknallteren Planeten nicht gerade auf. Im Vordergrund steht derzeit eher der politische Klimawandel, der soeben im überraschenden Ausgang der US-Präsidentschaftswahl einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Und doch hängt das eine mit dem anderen zusammen, wie sich diese Woche in Marrakesch gezeigt hat. Dort, auf dem UN-Klimagipfel, ging es eigentlich darum, den historischen Vertrag von Paris aus dem vorigen Jahr zur Begrenzung der Erderwärmung mit Leben zu füllen, sprich aufzuzeigen, wie die Beschlüsse in die Praxis umgesetzt werden sollen. Das ist auch, um es gleich zu sagen, ein Stück weit gelungen. Dennoch lag über der Konferenz ein großer Trump-Schatten, der die guten Absichten der Weltgemeinschaft in Frage zu stellen droht.

Die positive Erkenntnis von Marrakesch ist, dass das Pariser Abkommen nicht nur auf dem Papier bestehen soll, sondern dass es den fast 190 Vertragsstaaten ernst ist mit dem Klimaschutz. Zumindest haben sie nun erklärt, in den kommenden zwei Jahren Regeln festsetzen zu wollen, wie sie die schädlichen CO2-Emissionen zu reduzieren gedenken. Und mehr als 20 Länder haben langfristige Pläne vorgelegt oder angekündigt. Zu diesem Club gehört auch Deutschland, das mit viel Hängen und Würgen einen Klimaschutzplan bis 2050 zustande gebracht hat. Lassen wir einmal beiseite, dass die Bundesregierung das Konzept von Umweltministerin Barbara Hendricks ziemlich weichgespült hat und dass darin wichtige Elemente wie ein Zeitplan für den anvisierten Kohleausstieg fehlen. Oder dass Wirtschaftsminister Gabriel eine ursprünglich vorgesehene Kommission, die den Abschied von der Kohle einleiten sollte, streichen ließ. Schließlich, dass es der einstige Klimaschutz-Musterschüler generell in den letzten fünf Jahren nicht geschafft hat, seine Emissionen zu reduzieren – im Gegensatz zu anderen Ländern. Auf dem internationalen Parkett hat dies jedoch erstaunlicherweise keinen negativen Eindruck hinterlassen.

Wichtiger war den Delegierten wohl die Signalwirkung, die von solchen Konzepten wie dem aus Deutschland ausgeht. Gerade angesichts der jüngsten tektonischen Verschiebungen in der Weltpolitik, die im Moment für große Unsicherheit sorgen. Und damit wären wir bei Donald Trump, der bekanntlich die Erderwärmung für eine Erfindung der Chinesen hält und im Wahlkampf angekündigt hat, das Paris-Abkommen aufzukündigen. Für den internationalen Klimaschutz wäre dies fatal, zumal die USA als größte Wirtschaftsmacht der Welt beim Treibhausgas-Ausstoß auf Platz zwei liegen. Umso wichtiger ist nun, dass Länder wie Deutschland, immerhin Gastgeber der nächsten Klimakonferenz im kommenden Jahr, unbeirrt weiter voranschreiten und beim Umstieg auf erneuerbare Energien endlich Nägel mit Köpfen machen. Und sie sollten einem Geschäftsmann wie Donald Trump unmissverständlich klar machen, dass es auch der US-Wirtschaft letztendlich massiv schadet, sollte er das Rad der Geschichte wieder zurückdrehen.

klaus.spaene@fnp.de

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