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Kommemntar: Menschenfischer und Hoffnungsträger

Von Georg Bätzing hat gerade erst seinen Einführungskurs für Bischöfe hinter sich – dabei scheint es, als sei er schon ewig im Amt und hätte die „Nachhilfe“ gar nicht gebraucht.

Georg Bätzing hat gerade erst seinen Einführungskurs für Bischöfe hinter sich – dabei scheint es, als sei er schon ewig im Amt und hätte die „Nachhilfe“ gar nicht gebraucht. Der gestern aus Rom zurückgekehrte 56-Jährige hat im ersten Jahr die hohen Erwartungen mehr als erfüllt. Er ist der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Am besten sagen das diejenigen aus, die nichts sagen: die bekannten Kritiker des Bistums. Ich habe keinen gefunden, der am neuen Oberhirten etwas auszusetzen hätte.

Bätzing hat nach dem Skandal um seinen Vorgänger Franz-Peter Tebartz-van Elst, der die Diözese finanziell und ideell erschüttert hat, schon viele Wunden geheilt. Vergessen machen kann und will er die Schande freilich nicht. Es war ja nicht der weltfremde Autokrat Tebartz allein, der sie verursacht hat. Schuld daran tragen auch die ängstlichen Mitglieder des Domkapitels, die ihn gewähren ließen. Vielleicht wäre es besser gewesen, dass in diesem Gremium personelle Konsequenzen gezogen worden wären. Die Verantwortlichen haben ihr Versagen immerhin dadurch wieder etwas gutgemacht, indem sie einen guten Nachfolger gewählt haben.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Der Spagat zwischen Neuanfang und Vergangenheitsbewältigung ist seine schwierigste Aufgabe. Der Bischof muss mutig nach vorne gehen, darf die Aufarbeitung des Desasters aber nicht hinter sich lassen. Das gelingt Bätzing mit einer klugen Gewichtung; das eine überzeugend in der Öffentlichkeit, das andere hinter den Kulissen. Bätzing kümmert sich auch um Opfer der Tebartz-Ära, ohne es an die große Glocke zu hängen, und hat in der Organisation Strukturen verändert.

Nach der gefährlichen Vertrauenskrise ist es jedoch sein größter Verdienst, die Menschen mit der Kirche versöhnt und das Klima im Bistum spürbar verbessert zu haben. Die unter Tebartz durch Furcht und Resignation entstandene Eiseskälte ist endlich einer offenen und entspannten Atmosphäre gewichen. Die Katholiken von Frankfurt bis in den Westerwald lachen wieder – und auch hier geht Georg Bätzing mit bestem Beispiel voran. Er ist ein begnadeter Menschenfischer. Der (Herz-)Bischof sucht und schafft Nähe, er geht auf die Menschen zu und nimmt sie mit, hört aufmerksam zu und redet verständlich, er gibt den Gläubigen Orientierung und Zuversicht. Und das alles keineswegs beliebig. Bätzing ist Katholik durch und durch, daran lassen seine Worte und sein Handeln keinen Zweifel.

Der frühere Generalvikar von Trier liebt die alte Volkskirche, weiß allerdings, dass sie keine Zukunft hat. Der Bischof von Limburg wird vor allem bei der Kirchenentwicklung auch viele enttäuschen (müssen), das Zusammenlegen von Gemeinden zu „Pfarreien neuen Typs“ wird weitere schmerzhafte Einschnitte zur Folge haben. Was erwarten die Menschen von der Kirche? Was brauchen sie? Mit welchen Angeboten können wir die Wünsche erfüllen? Auf diese drei entscheidenden Fragen richtet der Hoffnungsträger seine Strategie aus. Und darauf muss er im zweiten Amtsjahr die richtigen Antworten finden.

joachim.heidersdorf@fnp.de Bericht auf 7

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