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Trump lässt Assads Truppen bombardieren: Kommentar: Ab sofort ist Ernstfall

Von Für den Moment und für sich selbst hat Trump Donnerstagnacht vieles richtig gemacht. Ein Kommentar von Cornelie Barthelme.
US-Präsident Donald Trump. Die USA haben einen Flughafen der syrischen Armee angegriffen. Foto: Alex Brandon US-Präsident Donald Trump. Die USA haben einen Flughafen der syrischen Armee angegriffen. Foto: Alex Brandon

Als Mann des Fernsehens muss Donald Trump den Kino-Klassiker „Wag the Dog“ nicht gesehen haben. Seine Berater aber kennen definitiv die 20 Jahre alte Satire, die davon handelt, wie der US-Präsident seine massiven innenpolitischen Probleme auf einen Schlag unsichtbar macht. „Da brauchen Sie schon“, rät der von seinem Team engagierte Spin-Doktor schlicht, „einen Krieg.“

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Cornelie Barthelme

Im Film rettet der fiktive Feldzug gegen Albanien dem Präsidenten die Wiederwahl. In der Wirklichkeit ist Donald Trump erst seit 78 Tagen im Amt; 75 davon sind, auch und gerade nach seinen eigenen Maßstäben, zutiefst blamabel gewesen. Am 76. aber lässt Trump Syrien bombardieren – und begibt sich damit in den ersten Krieg seiner Präsidentschaft. Korrekt: in den ersten militärischen.

Für den Moment und für sich selbst hat Trump Donnerstagnacht vieles richtig gemacht. Unter der Annahme, dass Baschar al-Assad das Giftgas-Massaker von Chan Scheichun zu verantworten hat – und wirklich gar nichts spricht dagegen –, bedeuten die Bomben auf den Stützpunkt der syrischen Luftwaffe die sehr späte Verwirklichung der einst von Barack Obama formulierten, aber dann nie realisierten Rote-Linie-Drohung: Chemiewaffen-Angriff bedeutet den Kriegseintritt der USA. Seine sehr kurzfristige und sehr harte Entscheidung lässt Trump zum ersten Mal als Mann der Tat erscheinen statt als überfordertes Großmaul – zur Freude seiner Wähler. Und nur deshalb dürften sie ihm verzeihen, dass er damit eine seiner zentralen Verheißungen bricht und die USA zurückmeldet in ihrer intern gleichermaßen geliebten wie verdammten und extern ebenso umstrittenen, aber letztlich unverzichtbaren Rolle als Weltpolizei.

Moskaus verhaltene Reaktion darf Trump als Erfolg verbuchen. Als Beleg für die These, dass Russland und auch Syriens zweiter Verbündeter Iran nur ihre eigene Sprache verstehen: Brutalität. Denn eines muss klar sein: Anders als 2013, dem Jahr der folgenlosen Obama-Warnung, ist seit der offenen Militärassistenz Wladimir Putins für Assad jeder Schlag gegen Syrien auch ein Schlag gegen Russland. Auch, vielleicht sogar besonders für Europa birgt dieser Zusammenhang tiefe Beunruhigung – zum allermindesten.

Und wer Donald Trump bei seiner abendlichen Ansprache sah und hörte, muss sich noch mehr sorgen. Durch viel Pathos und Emotion blitzten Impulsivität und Strategielosigkeit. Keine substanzielle Erklärung für seine 180-Grad-Kehre binnen Tagen, kein Wort zu den möglichen Konsequenzen des Bombardements, keine Andeutung, was den Tomahawks folgen soll. Eine Diplomatieoffensive ist nun ebenso unverzichtbar wie unwahrscheinlich. Dass US-Außenminister Rex Tillerson kommende Woche in Moskau sein wird, gibt ein klein wenig Hoffnung – mehr nicht.

Und an dieser Stelle wünschte man, Trumps Berater hätten die Kino-Geschichte vom innenpolitisch nützlichen Krieg nicht nur gesehen, sondern auch ihre Botschaft begriffen. Nur in einer erfundenen Welt ist Regieren ein Spaß, Krieg ein Spiel – und der US-Präsident folgenfrei ohne Plan?

politik@fnp.de

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