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Kommentar: Afrika - Kampf der Trostlosigkeit

Geld allein wird die Probleme in der Sahelzone nicht lösen. Diese Botschaft scheint langsam angekommen zu sein – viel zu lange hat sich die EU darauf ausgeruht, größter Geldgeber Afrikas zu sein.
Foto: Stringer (EPA)

Geld allein wird die Probleme in der Sahelzone nicht lösen. Diese Botschaft scheint langsam angekommen zu sein – viel zu lange hat sich die EU darauf ausgeruht, größter Geldgeber Afrikas zu sein. Nicht zufällig entstand im vergangenen Jahr die Sahel-Allianz auf Betreiben der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini, des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkels. Das Stichwort „Marshallplan für Afrika“ von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller verhallte lange genug nahezu ungehört. Doch mit der Allianz – so sie denn mit entsprechenden Fachleuten ausgestattet wird, die vor Ort helfen und beraten – kann langfristig ein Wandel gelingen. Bis 2050 wird die Bevölkerung in Afrika auf zwei Milliarden Menschen angewachsen sein, dabei leiden die Jugendlichen in der Sahelzone schon heute unter der Perspektivlosigkeit.

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Doch neben der Schaffung wirtschaftlicher Perspektiven und dem Aufbau einer funktionierenden Grundversorgung braucht die Region vor allem eines: mehr Sicherheit. Die Islamisten haben mit ihren blutigen Eroberungskriegen und zahlreichen Anschlägen unzählige Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Dem Militär fehlt es nicht nur an Ausrüstung, sondern auch genügend Truppen, um die riesigen Gebiete zu schützen. Da ist es kaum verwunderlich, dass immer mehr Soldaten zu Deserteuren werden – aus Angst, ihren Einsatz für ihr Land mit dem Leben bezahlen zu müssen, oder schlimmer noch, dass ihre Familien Opfer der Extremisten werden. 5000 Soldaten für eine Einsatzgruppe gegen Terroristen und Schlepper sind da wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die EU muss mehr tun und sich über die neu gegründete Verteidigungsunion stärker einbringen. Denn es bringt wenig, Geld in den Sahel zu pumpen, so lange die Menschen dort nicht sicher sind. Bevor die Gemeinschaft also über mehr Entwicklungshilfe spricht, sollte sie lieber über mehr Truppen reden. Denn erst, wenn die Terroristen das Gebiet nicht mehr kontrollieren, wenn kriminelle Banden und Menschenschmuggler, die die Not anderer ausnutzen, nicht mehr ungestört ihren Machenschaften über die siebartigen Grenzen hinweg bis nach Europa nachgehen können, wird ein Marshallplan für die Region sinnvoll. Dabei ist er eigentlich schon heute dringend nötig. Dazu reicht ein Blick nach Libyen, wo Migranten aus der Sahelzone festgehalten werden, die ein besseres Leben in Europa suchen und die zu Hause nichts als Trostlosigkeit erwartet. Merkel hat Recht: Die EU hat keine Zeit zu verlieren, den Kampf gegen diese Schieflage aufzunehmen.

 

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