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Autoindustrie: Kommentar: Am Ende der Geduld

Von Im Wahlkampf wird kein Minister entlassen; schon gar nicht von einer Kanzlerin, die so tut, als seien all die Auto-Affären, politisch gesehen, Petitessen. Ein Kommentar von Cornelie Barthelme.
Dieter Zetsche, Harald Krüger und Matthias Müller. Foto: Andreas Gebert Dieter Zetsche, Harald Krüger und Matthias Müller. Foto: Andreas Gebert

Da ist dieses Foto. Drei Männer darauf, von denen man – ganz sicher in diesem Moment, aber wohl in jedem anderen auch – um keinen Preis einen Gebrauchtwagen erstehen würde, wie man so sagt. Und doch: Die Republik, ach, die Welt, hat den dreien für gutes Geld Millionen über Millionen Autos abgekauft. Und ihre schönen Geschichten dazu. Und ist dabei betrogen worden. Immer wieder. Immerfort.

Cornelie Barthelme Bild-Zoom
Cornelie Barthelme

Die Trickser – Betrüger dürfte man sie erst nach einem rechtskräftigen Urteil nennen, und das wird es wohl für sie persönlich nie geben – sind die obersten Manager von Daimler, BMW, VW: Dieter Zetsche, Harald Krüger, Matthias Müller. Die höchstbezahlte Führungselite also der selbstverstandenen deutschen Industrieelite, den Automobilbauern. Seit zwei Jahren bringen sie sich immer mehr in Verruf: Der Diesel-Betrug, bei Volkswagen schon nachgewiesen, bei diversen VW-Töchtern und anderen hochwahrscheinlich, hat das Image schwer ramponiert; stellen sich die aktuellen Kartell-Vorwürfe als wahr heraus – und sei es auch nur zum Teil – werden Glaubwürdigkeit und Ruf ruiniert sein.

Aber im Ernst: Überrascht uns das noch? Halten wir, die Kunden, solch groß angelegte Ausschmiererei zu unseren Ungunsten vielleicht für undenkbar? Eben! Nur die nächste Ungeheuerlichkeit wäre sie doch. Und ebenso erwartbar wie das empörende Gesamtgeschäfts- und Führungsgebaren breiter Teile der Branche, wie die erneut erbärmlich pampigen Reaktionen aus dem Kreis der Ertappten – und wie die dreist verharmlosenden und alle Verantwortung leugnenden Kommentare des Bundesverkehrsministers. „Kartellrechtliche Absprachen wären eine zusätzliche Belastung für die Thematik, die wir gerade mit der Automobilindustrie haben.“ Schon für diese Nebelnullnummer eines Satzes verdiente Alexander Dobrindt die Kündigung.

Im Wahlkampf aber wird kein Minister entlassen; schon gar nicht von einer Kanzlerin, die so tut, als seien all die Auto-Affären, politisch gesehen, Petitessen. Selbstverständlich ist auch das Taktik. Angela Merkel weiß genau um die Bedeutung der Branche für das Renommee der Republik in der Welt. Und um die Gefahr für ihr eigenes – falls die geprellten Käufer endlich laut fragen, weshalb sie dem zuständigen Minister durchgehen ließ, seine Energie auf die Pkw-Maut zu konzentrieren statt darauf, die verlogenen Autobauer zur Schadensregulierung zu verpflichten.

Falls am Ende doch noch einer gehen muss – ist er wohl schon ausgemacht: Einzig den Audi-Chef Rupert Stadler hat Dobrindt bislang öffentlich beschuldigt. Und ausgerechnet Stadlers Kopf fordert der Betriebsratschef der Konzernschwester Porsche. Uwe Hück aber, einst fulminanter Einheizer für Gerhard Schröder im Wahlkampf 2005, spricht, anders als die Müllers und Zetsches, als die Merkels und Dobrindts, nicht nur bevorzugt in sehr klaren Sätzen; er hat auch ein gutes Gespür dafür, wann Menschen die Geduld verlieren. Ob als Kunden – oder als Wähler.

politik@fnp.de

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