Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 12°C

Mehr Menschen im Rentanalter arbeiten: Kommentar: Auch Rente mit 67 wird nicht reichen

Immer mehr Menschen, die eigentlich schon im Ruhestand sind, arbeiten noch – viele, obwohl sie das gar nicht müssten. Arbeiten kann auch im Alter zur Selbstverwirklichung gehören, schreibt unser Autor Dieter Sattler. Altersarmut sei aber trotzdem ein reeles Problem – und es wächst.
Alleinstehenden Frauen sind oft von Altersarmut betroffen. Foto: Armin Weigel/dpa Alleinstehenden Frauen sind oft von Altersarmut betroffen. Foto: Armin Weigel/dpa

Die ältere Dame serviert noch Espresso auf der Dachterrasse des Edelhotels, der andere ist gelegentlich als Bau-Gutachter tätig, ein dritter trägt frühmorgens Zeitungen aus. Immer mehr Ältere gehen noch einer Erwerbstätigkeit nach. Diesen Eindruck bestätigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Fast eine Million unter den acht Millionen 65- bis 74-Jährigen gingen 2016 arbeiten. Das waren doppelt soviel wie zehn Jahre zuvor.

Für die Linkspartei ist der Fall klar: Das Rentenniveau ist so gesunken, dass ältere Menschen gezwungen sind, bis zum Umfallen zu arbeiten. Andernfalls fielen sie der Altersarmut anheim. Daran ist nur richtig, dass für künftige Generationen wegen vieler unterbrochener Erwerbsbiographien oder Minijobs die Altersarmut droht. Sie erwerben zu wenig Rentenpunkte.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Doch den meisten Rentnern von heute geht es noch gut. Das heißt aber nicht, dass es bei einigen nicht die Not ist, die sie zur Arbeit treibt. Aber es gibt eben auch sehr viele gutgestellte Rentner, die einfach an alter oder neuer Wirkungsstätte noch ein bisschen weitermachen, weil es ihnen gefällt, noch gebraucht zu werden und weil sie schlichtweg gerne unter Leuten sind. „Ich freuemich auf meine Einsätze,“ sagt etwa einer, der zwei, dreimal in der Woche den alten Kollegen hilft. „Zuhause fällt mir manchmal die Decke auf den Kopf.“

Zwar gibt es weniger Menschen, die eine Grundsicherung erhalten, doch eine Trendwende bei Altersarmut zeichnet sich nicht ab. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Renten in Deutschland Immer mehr Senioren arbeiten

Mit 74 Jahren noch ein Restaurant betreiben, mit 75 noch in einem Möbelgeschäft arbeiten? Solche Fälle gibt es immer häufiger. Etliche tun das jedoch nicht, weil sie es wollen.

clearing


Für Leute wie ihn haben die ersten Rentenjahre eine ähnliche Funktion wie früher für viele die letzten Berufsjahre. Sie sind ein Hineingleiten in den wirklichen Ruhestand. Arbeit gehört dann in etwas entspannter Form und ohne den früheren Druck zu Selbstverwirklichung und hält jung. Außerdem verdient man auch gerne was hinzu, um an den alten Lebensstandard heranzukommen. So kann man lecker essen gehen, den Enkeln etwas Besonderes schenken und in Urlaub fahren.


Denn ansonsten entspricht die Rente in der Regel ja längst nicht dem, was man früher verdient. Der Hinzuverdienst schont außerdem die eiserne Reserve. Die ist sowieso, wenn man zum Beispiel mal die häusliche Pflegekraft oder das Heim bezahlen muss, schneller aufgebraucht, als man denkt.

Wir müssen uns ohnehin darauf einstellen, dass auch die Rente mit 67 längst nicht das Ende der Fahnenstange ist. Viele, die es körperlich können, müssen bald bis 70 arbeiten. Um zu begreifen, das unser Rentensystem sonst auf Dauer nicht funktionieren würde, braucht man kein Mathematik-Studium, sondern es reicht Volksschule Sauerland, wie SPD-Urgestein Franz Müntefering einmal sagte. Denn während die Menschen in den 1950 und 1960er Jahren ihre Rente meist nur wenige Jahre genießen konnten, haben nun viele die Chance, 90 und älter zu werden. Da die Rente also viel länger ausbezahlt wird, es aber umgekehrt immer weniger Einzahler der jüngeren Generation gibt, muss das Renteneintrittsalter erhöht werden. Dann müssen wir länger arbeiten, ob wir wollen oder nicht.

dieter.sattler@fnp.de

Zur Startseite Mehr aus Meinung der Redaktion

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse