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SPD-Sonderparteitag: Kommentar: Auf zum Gefecht!

Von Egal, wie die SPD sich am Sonntag entscheidet – es wird ihr Ruin. Ein Kommentar von Cornelie Barthelme.
Symbolbild Foto: Guido Kirchner/Symbolbild Symbolbild

Ob die Republik am Montag – oder eventuell schon Sonntagabend – eine andere ist? Ohne Schulz an der Spitze der SPD, vielleicht auch ohne Merkel als ewige Kanzlerin? Ehrlich: Keine Ahnung. Man wundert sich ja, woher so viele andere so genau wissen, wie es kommen wird. Nicht bloß die professionellen Betrachter und Ausdeuter des Geschehens in Berlin-Regierungsviertel, auch die Handelnden selbst. Im Ergebnis sind sie sich sogar einig, alle: Egal, wie die SPD sich am Sonntag entscheidet – es wird ihr Ruin.

Cornelie Barthelme Bild-Zoom
Cornelie Barthelme

Genau genommen sind die Sozialdemokraten damit in einer fabelhaften Lage. Wenn es ohnehin gleich ist, was sie tun – könnten sie es ja, vor dem allfälligen, dem unabwendbaren Exitus, noch einmal so richtig krachen lassen. Sich aufführen, als gäbe es wirklich kein Morgen. Sich also den Traum aller Todgeweihten – oder davon Alpträumenden – einfach erfüllen.

Auch wenn die SPD, als einzige der großen und relevanten Parteien, darauf besteht, eine Seele zu haben: Noch nicht einmal die Genossinnen und Genossen selbst sind sicher, was sie erfüllt – außer schwerem Hang zu Selbstquälerei und unstillbarer Lust am Leiden. Außenstehende also haben erst recht keine Ahnung, was die sozialdemokratische Psyche erlechzt als finale Ergötzung, als rauschenden Schlussakkord.

Bleibt allein, die Sache umzudrehen. Und sich vorzustellen, wie die SPD der Republik nicht bloß ein abschließendes genervtes „War’s das dann jetzt endlich?“ abringen könnte – sondern irgendetwas zwischen „Haben die sie noch alle?“ und „Wow!“. Weil es ja eh schon egal ist.

Ein wirklich offenes Gefecht wäre nicht schlecht. Eines, in dem es nicht nur ums gute – oder schlechte – Sondierungsergebnis geht. Sondern auch um den Bock aufs Regieren. Und das Misstrauen gegen Macht. Oder Merkel. Oder beides.

Symbolbild
Parteitag Schicksalstag für die SPD: Entscheidung über ...

Am Sonntag wird es ernst. Beim SPD-Sonderparteitag in Bonn stimmen die Delegierten darüber ab, ob das Sondierungsergebnis ausreicht und ihre Partei in Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU einsteigen soll oder nicht. Die SPD-Führung wirbt bei der Basis für ein Ja. Aber die Partei ist tief gespalten.

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Es müsste funken und zischen und knallen in Bonn. Wer braucht, das Ende vor Augen, noch Vor- und Rücksichten? Es könnten also die Grokoisten sich laut zu ihrer Regierungsneigung bekennen und ein scharf konturiertes Bild zeichnen davon, wie sie sich im dritten Anlauf von der Kanzlerin frei und die SPD wieder zum Erfolg koalieren wollen. Und die No-Grokos vom Grundsätzlichsein schwärmen und den großen Plan aufrollen, wie sie die Partei, vielleicht, aus der Opposition zurück an die Macht kurieren – oder antidepressionstherapieren, falls die sehr wahrscheinliche Neuwahl die SPD aber zuvor in den 15-Prozent-Keller sacken lässt. Warum noch schwindeln und schönfärben?

Am Ende hätten die Delegierten eine wirkliche Wahl. Und die Republik würde die SPD vielleicht noch immer nicht verstehen – wüsste aber ein bisschen besser, woran sie mit ihr ist. Fände sie vielleicht sogar wieder spannend statt bloß strapaziös. Aufregend statt ermüdend. Oder wenigstens mutig.

Ob das die Republik verändern kann? Eher nicht. Und ob die SPD überlebt? Ehrlich: Keine Ahnung.

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