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Frauentag: Kommentar: Brüderlichkeit für alle

Foto: S. Steinach (imago stock&people)

Zur Gleichberechtigung gibt es an diesem Frauentag eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Das rituelle, immergleiche Jammern nur zu diesem Anlass ist vorbei. Die Diskussion über die Lage der Frauen wird derzeit von vielen vehement geführt. Die schlechte Nachricht: Sie setzt zu sehr auf oberflächliche Effekte.

Denn im Monat fünf von #Metoo wird sogar die „Brüderlichkeit“ der Nationalhymne von der Gleichstellungsbeauftragten im Familienministerium, Kristin Rose-Möhring, als diskriminierend bewertet. Ein wunderschönes Wort, das seit der Französischen Revolution im Gleichklang mit Freiheit und Gleichheit steht – und bei dem die solidarische Einstellung im Vordergrund steht, nicht das Geschlecht.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Salome Roessler

Und was ist mit der Freiheit? Viele Belästigungsopfer haben unter dem Stichwort #Metoo Missstände offengelegt. Das war überfällig, bewiesene Straftaten müssen geahndet werden. Doch dass dortige Anschuldigungen vor dem Verbreiten nicht überprüft werden, widerspricht immer noch demokratischen Grundsätzen. Und wenn als vermeintlicher Schutz vor Belästigungen gar Kunstwerke zensiert oder humorvolle Bemerkungen auf die Goldwaage gelegt werden, ist das ebenso ein Angriff auf die Freiheit wie die Unterdrückung von Frauen.

Freiheit entsteht aber oft auch erst durch wirtschaftliche Unabhängigkeit. Und da bekleckert sich Deutschland im internationalen Vergleich keinesfalls mit Ruhm: Frauen arbeiten öfter in schlechter bezahlten Berufen, immer noch viel seltener in Chefetagen. Kinder sind für Frauen eher ein Armutsrisiko. In der Lohnungleichheit sehen 34 Prozent der Deutschen daher auch das größte Problem der fehlenden Gleichberechtigung – die Belästigungen folgten mit 22 Prozent erst an zweiter Stelle. Macht und Missbrauch hängen zusammen. Nur wer sich seiner Macht sicher und von der Gesellschaft augenzwinkernd bestätigt fühlt, verletzt Grenzen. Nur wer Angst um seinen Job und ein geringes Selbstwertgefühl hat, lässt sich bedrängen.

Damit sich das ändert, ist eine – ja genau! – Brüderlichkeit zwischen Männern und Frauen erforderlich. Ein gesellschaftlicher Wandel, der länger dauert als ein Hype. Er lässt sich nicht daran festmachen, ob jemand auf einer Hollywood-Gala schwarze Kleider als Zeichen des Protestes trägt. Und in Deutschland nicht daran, ob immer noch zusätzlich die weibliche Form genannt wird – das macht Texte nur unleserlich, hat mit Gleichberechtigung nichts zu tun. Es spricht vielmehr Frauen die Fähigkeit ab zu erkennen, dass „Kunden“ als abstrakter Begriff eben auch immer die „Kundin“ beinhaltet.

Er ließe sich aber daran festmachen, dass Männer und Frauen nicht mehr staunen, wenn in ihrem Cockpit eine Pilotin sitzt, die fünfte Ministerin ins Kabinett berufen wird oder eine 60-Jährige die Hauptrolle in einem Kassenknüller spielt, der nicht von Altersliebe handelt. Und irgendwann daran, dass es zum Frauentag keine Kommentare mehr braucht.

pia.rolfs@fnp.de

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