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Insolvenz des FSV: Kommentar: Das Ende einer Reise

"Damals war der FSV noch ein Vorzeigeclub, der auf wundersame Art und Weise der finanzkräftigeren Konkurrenz im Bundesliga-Unterhaus demonstrierte, dass man auch mit wenig Mitteln viel erreichen kann", sagt unser Kommentarschreiber Michael Helms.
Michael Helms Bilder > Michael Helms

Die Reise des FSV Frankfurt durch den Profifußball ist zu Ende. Sie begann in der hessischen Provinz mit Gastspielen in Waldmichelbach, Flieden oder Wörsdorf, führte über Köln, München oder das stimmungsvolle Millerntor in St. Pauli bis nach Berlin ins Olympiastadion, wo sich die Bornheimer gegen die schier übermächtige Hertha teuer verkauften.

Damals war der FSV noch ein Vorzeigeclub, der auf wundersame Art und Weise der finanzkräftigeren Konkurrenz im Bundesliga-Unterhaus demonstrierte, dass man auch mit wenig Mitteln viel erreichen kann. „Aus eigener Kraft“ lautete das Motto am Bornheimer Hang, wo man das Dasein in der Zweiten Liga aber irgendwann als einen Selbstläufer betrachtete. Der FSV war abhängig vom üppigen Fernsehgeld wie ein Schwerstkranker vom Tropf, kam gleichzeitig aus seiner Nische im Schatten der Frankfurter Eintracht nicht heraus, was wiederum sinkende Sponsoreneinnahmen zur Folge hatte.

Der Verein, der sich jahrelang innovativ und mit vielen klugen Entscheidungen im sportlichen Bereich wie ein gallisches Dorf gewehrt hatte, versank nach und nach in einer apathischen Grundstimmung, die Mitglieder, Fans und Funktionäre gleichermaßen erfasste. Und letztendlich mitverantwortlich dafür war, dass Clemens Krüger sich beim FSV Frankfurt zum Alleinherrscher aufschwingen konnte, weil kritische Stimmen einfach kein Gehör fanden.

Krüger, der sich in seinen Jahren zuvor als leitender Angestellter durchaus seine Verdienste erworben hatte, leistete sich nicht nur im sportlichen Bereich fatale Fehler. Getrieben, ja am Ende schon fast besessen von dem Wunsch, diese zu korrigieren, betrieb der Diplomkaufmann eine folgenschwere Misswirtschaft, von der sich der FSV Frankfurt auf absehbare Zeit nicht wieder erholen wird. Geduldet übrigens von einem Präsidium, das bei diesem Treiben am Rande der Legalität die Augen verschloss, seine Aufsichtspflichten auf das Gröbste vernachlässigte und sich möglicherweise wie Krüger auch der Insolvenzverschleppung schuldig gemacht hat.

So endet die Reise des FSV Frankfurt durch den Profifußball jäh und schmerzhaft am 20. Mai mit einem letzten Auftritt in der Drittklassigkeit beim SV Wehen Wiesbaden.

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