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Rettungsgasse: Kommentar: Das Prinzip Egoismus

Die Verkehrsmoral geht hierzulande offenbar immer mehr vor die Hunde. Ein Kommentar von Klaus Späne.
So sollte es sein, ist es aber oft nicht: Rettungsgasse auf der Autobahn 2 in Hannover. Foto: Peter Steffen So sollte es sein, ist es aber oft nicht: Rettungsgasse auf der Autobahn 2 in Hannover. Foto: Peter Steffen

Es ist im Prinzip alles ganz einfach: Wenn nach einem Unfall die Rettungskräfte mit Blaulicht und Martinshorn von hinten nahen, fahren die anderen Verkehrsteilnehmer zur Seite, lassen also die Helfer auf einer Rettungsgasse passieren. So die Theorie.

Dass dieses einfache Prinzip in der Praxis nur in Ausnahmefällen funktioniert, passt in eine Entwicklung, die Polizei und Verkehrsexperten seit Jahren beklagen und die da heißt: Die Verkehrsmoral geht hierzulande offenbar immer mehr vor die Hunde. Symptome dafür sind Vergehen wie Parkplatzrempler, die als Kavaliersdelikte betrachtet werden, bei Rot über die Ampel fahren, was bei manchen als eine Art Gewohnheitsrecht gilt, Raserei oder eben die weit verbreitete Unsitte, bei Unfällen keine Gasse zu bilden, was Feuerwehr und andere Helfer regelmäßig bei ihren Einsätzen in die Verzweiflung treibt.

Klaus Späne Bild-Zoom Foto: (FNP)
Klaus Späne

Gleichzeitig wirft der tägliche Wahnsinn auf den Straßen auch ein bezeichnendes Licht auf ein generelles Phänomen. Von der „Gedankenlosigkeit unserer Gesellschaft“, die sich im Unvermögen oder im Unwillen beim Bilden der Rettungsgassen abbildet, spricht Friedrichsdorfs Stadtbrandinspektor Ulrich Neeb. Man könnte noch weitergehen und den zunehmenden Hang vieler Zeitgenossen zum Ausleben ihrer persönlichen Interessen auf dem Rücken anderer nennen. Das fängt an beim Gaffen und kulminiert im Behindern von Einsätzen oder unterlassener Hilfeleistung, weil es manchen Verkehrsteilnehmern offenbar wichtiger ist, dramatische Ereignisse mit dem Handy festzuhalten und anschließend in der Gier nach Likes in den sozialen Netzwerken zu posten.

Angesichts solcher Zustände ist es zwar begrüßenswert, dass die Politik die Bußgelder bei Nichtbeachtung von Rettungsgassen markant erhöhen will. Andererseits ist es unverständlich, dass die Bundesregierung der Wild-West-Mentalität gerade auf den Autobahnen nicht längst einen Riegel vorgeschoben hat – zum Beispiel durch ein flächendeckendes Tempolimit. Das wäre jedenfalls ein wichtiges Signal, um zu zeigen, dass die Straße kein Tummelplatz der unbegrenzten Möglichkeiten und des Auslebens von Egoismus ist.

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