Kommentar: Das bittere Feilschen um den Hessentag

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Bestens organisiert haben sie ihn, den Oberurseler Hessentag 2011. Zufriedene Gesichter ob der mannigfaltigen Angebote, kurz – eine runde Sache. Und eine teure.
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Nun mag es rechtens sein, wenn Bürgermeister Hans-Georg Brum nur die zahlungswirksamen Kosten von 4,5 Millionen Euro an Defizit ausweist. Die ganze Wahrheit hat noch ein Kapitel, denn mit Personal- und sonstigen Dienstleistungen bleiben am Ende knapp sechs Millionen Euro an Minus stehen. Abseits der Frage, wie die 44 000-Einwohner-Stadt dies stemmt, sendet die Zahl eine klare Botschaft an alle künftigen Hessentagsstädte aus: Das Fest ist stets ein Zuschussgeschäft.

Kein Rathauschef einer einstigen Hessentagsstadt wird müde zu betonen, wie wertvoll das Ganze gewesen sei, welche immensen Strukturverbesserungen das Fest gebracht habe. Und so taucht vor dem geistigen Auge das Bild der alleinerziehenden Mutter (respektive des Vaters) auf, die sich auch nach dem Fest mit ihrem Dreijährigen in der wunderhübsch sanierten Grünanlage vergnügt. Vormittags. Weil sie sich die gestiegenen Kindergartenkosten nicht mehr leisten kann. Die Parkanlage war zu teuer.

Schon ohne Hessentag sind die Kommunen aktuell bemüht, die von Land und Bund durchgereichten Kosten an ihre Bürger häppchenweise weiterzugeben. Geschenke gibt’s nicht mehr, einst gestützte Gebühren kommen strikt kostendeckend daher, Wasser, Abwasser, auch viele Steuern – rauf damit. Ein Zuschlag für die Grundsteuer B, Aufpreis für die Hunde. Ein Hessentag mag die hübsche Verpackung liefern für die anschließende finanzielle Überraschung, als Allheilmittel, wie oft propagiert, wirkt er nicht.

Für kleinere Kommunen bleibt nur eine Konsequenz: Hände weg. Oberursel trumpfte mit zahlreichen Assen auf – riesige Rockkonzerte etwa. So kamen Besucher und Geld – und dennoch das dicke Minus. Ein abgespeckter Hessentag, wie ihn vor Oberursel schon kleinere Städte praktizierten, wäre der finanzielle Gau. Keine kulturellen Zugpferde, keine Besucher, weniger Geld, dickes Minus. Bad Vilbel hat’s kapiert und fragt zuerst die Bürger – denn sie treffen am Ende die Folgen der leeren Stadtkasse.

Auf Dauer ist der Hessentag in seiner jetzigen Form nicht lebensfähig. Das Fest der Hessen – es wird zum Basar der Landesregierung. Beim Feilschen um neue Rathäuser und Umgehungen, nur damit sich noch Ausrichter finden, hat es seinen Sinn eingebüßt. Ob Überlegungen, den Hessentag nur noch alle zwei Jahre anzubieten, die Lösung bedeuten, sei dahingestellt. Die Kosten werden deshalb weder für das Land noch für die Kommune geringer.

Das Fest der Hessen braucht ein neues Gesicht, vielleicht weniger teure Schminke, dafür aber bitte eine Portion mehr hessische Identität. Bericht Seiten 1 und 5

andreas.burger@fnp.de

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