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G 20-Gipfel: Kommentar: Den Chaoten nicht weichen

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Protest-Sonderzug in Kornwestheim. Foto: Christoph Schmidt Protest-Sonderzug in Kornwestheim. Foto: Christoph Schmidt

Warum ausgerechnet Hamburg? Warum kann man den G 20-Gipfel nicht auf einer Insel stattfinden lassen? Das sind Fragen, die derzeit gestellt werden. In der Tat sind die Sicherheitsanforderungen enorm. 20 000 Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet mussten zusammengezogen werden. Dennoch zeichnet sich jetzt schon ab, dass es in den nächsten Tagen schlimme Krawalle in der Hansestadt geben wird. Deshalb ist halb Hamburg verreist, viele Geschäfte werden geschlossen bleiben, Firmen machen für ein paar Tage dicht, weil ihre Angestellten nicht durch die Stadt kommen würden.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Dennoch ist es richtig, dass der Gipfel zentral stattfindet. Wo kämen wir hin, wenn sich die Staatschefs nur noch auf einsamen Inseln, im Hochgebirge, auf Flugzeugträgern im Ozean oder eben in Diktaturen treffen könnten? Gegen friedliche Demonstrationen ist ja gar nichts einzuwenden. Sie müssen sogar sein. China, US-Präsident Donald Trump, die allgemeine Vernachlässigung von Umweltfragen, der zynische Umgang mit dem Welthunger, sowie Flucht und Vertreibung bieten Grund genug zu Protesten. Aber es ist auch klar, dass solche Großereignisse wie G 20 weniger Welt-Retter anziehen, die wirklich aus dem Gewissen heraus handeln und etwas für andere tun wollen, als vielmehr Chaoten, wie sie im März 2015 bei der Eröffnung der EZB-Zentrale in Frankfurt wüteten.

Wie sagte doch ein Sprecher einer linksradikalen Gruppe bei einer Pressekonferenz: Natürlich wolle man eine gewaltfreie Welt. Aber um diese zu erreichen, müsse man erst mal Gewalt anwenden. Mit solch zynischen Rechtfertigungen sind einst die kommunistischen Diktaturen entstanden oder hat auch die RAF gemordet. Dahinter verbergen sich gerne Andreas-Baader- Charaktere, die mit einer friedlichen Welt gar nichts anzufangen wüssten, da Gewalt für sie nicht lästige Pflicht auf dem Weg zum Guten ist, sondern ihnen Spaß bereitet. Mit Gewalttouristen ließe sich wohl kaum eine bessere Welt aufbauen.

Dass der G 20-Gipfel einen Durchbruch in irgendeiner der weltbewegenden Fragen bringen wird, ist umgekehrt leider auch nicht zu erwarten. Zu verhärtet sind die internationalen Fronten. Wo man sich auf Absichtserklärungen einigen kann, haben die Sherpas (Chefunterhändler der Staaten) das oft schon vorab ausbaldowert. Dennoch ist wichtig, dass die Staatschefs miteinander reden. Um es ganz hart zu sagen: Wen man persönlich kennt, bekriegt man vielleicht nicht so leicht.

Hamburg wird erst am Sonntag wissen, ob es sich gelohnt hat, sich um den Gipfel zu bewerben. Die Hansestadt hofft sicher darauf, dass die Bilder von der Weltstadt mit ihrer prächtigen neuen Elbphilharmonie am Ende für Investoren und Touristen lockender und wirkungsmächtiger sein werden als die abschreckenden Bilder von prügelnden Chaoten und den entsprechenden Polizeieinsätzen. Ob diese Rechnung aufgeht, wird auch vom Ausmaß der Gewalt abhängen. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz und die Polizei glauben, die Lage im Griff zu haben. Hoffentlich behalten sie recht.

dieter.sattler@fnp.de Bericht Seite 1

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