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Grippe: Kommentar: Der Preis der Zwei-Klassen-Medizin

Symbolbild Foto: Maurizio Gambarini (dpa) Symbolbild

Mit der Grippe ist es so eine Sache: Weil sich die Erreger permanent verändern, wissen selbst die Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nie so ganz genau, mit welchen Virustypen sie es in der nächsten Grippesaison zu tun bekommen. Das macht es so schwierig, beizeiten die richtigen Antigene für die jährliche Grippeimpfung zusammenzustellen. Mal klappt das besser, mal schlechter. Dieses Jahr, da sind sich die Fachleute einig, gilt Letzteres.

Das kann schon mal vorkommen. Was nicht vorkommen darf: Dass tausendfach Patienten einen Impfstoff verabreicht bekommen, von dem schon lange vorher bekannt ist, dass er nur sehr unzureichend gegen die in dieser Saison grassierenden Virustypen schützt, wenn gleichzeitig ein deutlich wirksameres (wohl aber teureres) Präparat auf dem Markt ist.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Salome Roessler

Hinweise auf die eingeschränkte Wirksamkeit der Dreifach-Impfung gab es bereits vor Monaten, als in Australien die Grippewelle einsetzte. Für die Fachleute in Europa ist die australische Grippewelle traditionell ein erster Anhaltspunkt, worauf sie sich in ein paar Monaten einstellen müssen. Nur, dass man es hierzulande zunächst nicht für notwendig hielt, sich darauf einzustellen. Andernfalls hätte die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts von vornherein den Vierfach-Impfstoff empfohlen. Das hat sie nicht getan. Etwa wegen bereits ausgehandelter Rabattverträge mit den Pharmakonzernen für das Dreifach-Präparat ?

Erst Anfang Dezember besserte die Stiko nach, rät seither zur Verwendung des Vierfach-Wirkstoffs. Zu diesem Zeitpunkt aber waren die meisten Patienten längst geimpft, für die eine Grippeimpfung empfohlen wird – alle über 60, Schwangere, Patienten mit Immunschwäche, chronisch Kranke. Eben jene, für die eine Grippeerkrankung besonders gefährlich ist.

Geimpft wurden (und werden) die Kassenpatienten mit dem günstigeren Dreifach-Wirkstoff, der gegen den aktuell besonders verbreiteten Virusstamm namens Phuket in etwa so wirkungsvoll ist wie Räucherstäbchen, die Privatpatienten mit dem wesentlich potenteren Vierfach-Impfstoff. Ein Paradebeispiel für die deutsche Zwei-Klassen-Medizin. Und ein Paradebeispiel dafür, dass uns eben jene Zwei-Klassen-Medizin oft teuer zu stehen kommt. In diesem Fall, weil viele Patienten, die besonders anfällig sind, einen Impfstoff erhielten, der sie nur unzureichend schützt. Das hat dazu geführt, dass viele Krankenhäuser schon jetzt völlig überlaufen sind, obwohl die Grippewelle ihren Höhepunkt noch längst nicht erreicht hat. Von den Kosten ganz zu schweigen.

stefanie.liedtke@fnp.de Bericht auf der Titelseite

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