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Kommentar: Der Spagat

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Es ist noch nicht allzu lange her, dass vor allem in den sozialen Netzwerken eine Debatte über die Zukunft von Joachim Löw entbrannt war. Die deutsche Nationalmannschaft hatte gerade das Halbfinale der Europameisterschaft unglücklich gegen Frankreich verloren, und prompt stand der Mann mit dem schwierigsten Job im deutschen Fußball mal wieder am Pranger. 80 Millionen Bundestrainer in ihren Fernsehsesseln haben es eben besser gewusst, wie man zum Beispiel einem Thomas Müller zu seiner gnadenlosen Effizienz vor dem gegnerischen Tor verholfen hätte, die ihm bei dem Turnier in Frankreich abhanden gekommen war.

Jetzt trifft Müller wieder das Tor, die deutschen Fußballer räumen in der WM-Qualifikation Mannschaften der zweiten Kategorie mit hohem Unterhaltungswert aus dem Weg – und schon ist die Fußball-Welt in Deutschland wieder in Ordnung. Mit diesem Schwarz-Weiß-Denken muss Löw genauso leben wie mit der hohen Erwartungshaltung, die an die deutsche Fußballnationalmannschaft mittlerweile gestellt wird.

Die Zeiten des Rumpelfußballs, mit dem die Deutschen sogar mal Zweiter bei einer Weltmeisterschaft wurden (2002), sind eben schon lange vorbei. Das deutsche Ensemble an Hochbegabten hat zu gewinnen und zu brillieren, Pflichtsiege gegen zumeist sehr defensiv eingestellte Gegner genügen nicht, um das Heer an Kritikern zufrieden zu stellen. Nach dem jüngsten Siegeszug in der WM-Qualifikation sind die zunächst einmal ruhig gestellt, und der Bundestrainer kann sich dem Spagat widmen, den er bis zu den Titelkämpfen in eineinhalb Jahren zu bewältigen hat: Er muss den immer stärker werdenden Konkurrenzkampf erfolgreich moderieren und darf dabei nicht die zahlreichen Talente aus dem Blick verlieren, die in die Nationalmannschaft drängen.
Dies ist zwar aus Sicht vieler Nationen – Engländer und Niederländer lassen grüßen – ein Luxusproblem, muss aber dennoch gelöst werden.

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