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Seehofer: Kommentar: Der falsche Kümmerer

12.07.2018, Österreich, Innsbruck: Horst Seehofer (CSU), deutscher Innenminister, reagiert auf Fragen der Journalisten im Rahmen einer Pressekonferenz beim Treffen der Justiz- und Innenminister der EU. Foto: Barbara Gindl (APA) 12.07.2018, Österreich, Innsbruck: Horst Seehofer (CSU), deutscher Innenminister, reagiert auf Fragen der Journalisten im Rahmen einer Pressekonferenz beim Treffen der Justiz- und Innenminister der EU.

Woher eigentlich weiß ein Regisseur aus Israel, ein Experte für Spielfilme über den ewigen Bedrohungszustand, in dem sein kleines Land sich fühlt, was in Deutschland notwendig ist? Not-wendig, im Sinn des Worts. „Wir müssen uns um unsere Bürger kümmern“, hat Samuel Maoz dieser Tage gesagt, „nicht nur um unsere Verteidigung.“

Wie es aussieht, tut Horst Seehofer das genaue Gegenteil, seit er aus Bayern als Minister nach Berlin gezogen ist. Er kümmert sich um eine sehr spezielle Verteidigung der Republik: gegen Flüchtlinge und Migranten; ein Unterschied, nebenbei, den Seehofer stur ignoriert. Nicht kümmert Seehofer sich um die Bürger; obwohl er das in einem fort behauptet. Und vielleicht sogar glaubt.

Cornelie Barthelme Bild-Zoom
Cornelie Barthelme

Die lächelnde Gleichsetzung von 69 abgeschobenen Afghanen mit einem Geburtstagsgeschenk zum 69. war auch schon menschenverachtend, ehe Seehofer und die Republik erfahren haben, dass einer der Zwangsheimkehrer sich in Kabul das Leben nahm. Und, ja: Für einen, der eine Partei anführt, die sich christlich nennt – und gleich danach auch sozial –, ist solch öffentliches Vorführen von Empathielosigkeit, gepaart mit Zynismus, ein Rücktrittsgrund.

Selbstverständlich aber wird Seehofer nicht gehen; schon gar nicht von selbst. Und weder seine Partei noch die Kanzlerin werden ihn kündigen. Es passt gerade nicht. Weil in Bayern Wahlkampf ist. Und in Berlin sowieso Krise an allen Ecken und Enden.

Was aber heißt das für die Republik? Die Gesellschaft? Die Bürger? Ganz einfach: Dass eben sie sich kümmern müssen. Selbst. Und verhindern, dass die Republik versackt in dem Morast aus Verunsicherung, Angst und Hass, den die AfD immer neu anrührt – und den inzwischen auch Seehofer ganz unverhohlen nährt.

Samuel Maoz, der israelische Regisseur, weiß genau, wie all diese Gefühle ein Land prägen können. Und was sie – auf Dauer – mit und schließlich aus ihm machen. Maoz hat nicht gesagt, dass eine Gesellschaft sich dagegen nicht wehren kann. Sie muss es aber wollen.

politik@fnp.de Bericht auf Seite 3

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