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Siemens: Kommentar: Die Deutsche Bank lässt grüßen

"Für Offenbach und das Rhein-Main-Gebiet sind die Siemens-Pläne ein weiterer Schlag ins Kontor", sagt unser Kommentarschreiber Michael Balk.
Siemens-Beschäftigte demonstrieren in Offenbach Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Siemens-Beschäftigte demonstrieren in Offenbach

Mit Wut und Empörung haben die Offenbacher Siemensianer auf die Hiobsbotschaft aus der Konzernzentrale in München reagiert: 6900 Stellen will der Technik-Konzern in der Kraftwerkssparte streichen, 700 davon in der Offenbacher Niederlassung. Das heißt auf deutsch: Der Standort am Main wird ausradiert. Auch wenn die Siemens-Manager das Wort Schließung noch nicht in den Mund genommen haben, läuft doch alles darauf hinaus. Wie vielen Mitarbeitern ein Angebot zum Umzug nach Erlangen gemacht wird, ist noch nicht geklärt. Für wie viele es überhaupt relevant sein wird, ins 200 Kilometer entfernte Mittelfranken umzusiedeln, steht in den Sternen.

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Man kann den Frust und die Enttäuschung der Siemens-Beschäftigten vom Offenbacher Kaiserlei nur zu gut verstehen. Schließlich haben sie über Jahre hervorragende Arbeit geleistet. Die Auftragsbücher sollen noch voll sein und für zwei Jahre tragen. Zuletzt wurden Überstunden für einen Auftrag in Ägypten geleistet. Das zeigt: Die Offenbacher Siemens-Mannschaft, die zum großen Teil aus hochqualifizierten Ingenieuren besteht, war bis zuletzt engagiert und hoch motiviert. Umso bitterer ist für die Betroffenen nun das Aus. Es fühlt sich an wie kalt abserviert.

Für Offenbach und das Rhein-Main-Gebiet sind die Siemens-Pläne ein weiterer Schlag ins Kontor. Immer mehr Industrie-Arbeitsplätze gehen verloren. Erinnert sei an den traditionsreichen Druckmaschinenhersteller MAN Roland und den französischen Kraftwerksspezialisten Areva in Offenbach, an Wella in Darmstadt, Rodenstock in Frankfurt oder Mundipharma in Limburg. Tausende Jobs sind weg.

Dieser Strukturwandel ist nicht aufzuhalten. Für einen Konzern-Koloss wie Siemens ist der Wandel eine dauerhafte Aufgabe. Allerdings muss man der Siemens-Spitze den Vorwurf machen, mit Offenbach ein unlauteres Spiel getrieben zu haben, das angesichts weiterer Fragezeichen noch immer nicht beendet ist. Zudem zeugt der Zeitpunkt so kurz nach der Bilanzvorlage mit Milliardengewinn auf Rekordniveau nicht gerade von Fingerspitzengefühl. Die Deutsche Bank lässt grüßen . . .

michael.balk@fnp.de

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