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Nahles: Kommentar: Die SPD braucht Ruhe

Polik-Chef Dieter Sattler kommentiert den Niedergang von Martin Schulz und die Frage, wer für das Chaos in der SPD eigentlich verantwortlich ist.
Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Andrea Nahles, bei einer Rede Foto: Oliver Berg Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Andrea Nahles, bei einer Rede

Sagt ein Mann zu seiner Frau: „Die SPD hat einen neuen Parteichef.“ Fragt sie: „Weiß man schon, wer sein Nachfolger wird?“ Bisher galt der Witz so ähnlich für den Hamburger SV, jetzt kann man ihn eben auch auf die SPD anwenden. Nach nur einem Jahr soll der glücklose Martin Schulz morgen auf dem kleinen Dienstweg kommissarisch durch Andrea Nahles abgelöst werden. Man muss der Partei, die sich um die deutsche Demokratie so verdient gemacht hat, wünschen, dass Nahles sie eine längere Strecke anführen wird. Ansonsten wäre der Niedergang in Richtung Zehn-Prozent-Partei nicht mehr aufzuhalten. In den vergangenen 15 Jahren hatte die SPD schon sieben Vorsitzende: Schröder, Müntefering, Platzeck, Beck, wieder Müntefering, Gabriel und Schulz. Wenn man bedenkt, dass Gabriel immerhin sieben Jahre am Ruder blieb, war die Verfallszeit der anderen extrem kurz. Zu den glücklosen Anführern muss man ja auch noch die Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier (2009) und Peer Steinbrück (2013) zählen, die genauso holterdiepolter ernannt worden waren wie Martin Schulz.

<span>Dieter Sattler</span> Bild-Zoom Foto: (FNP)
Dieter Sattler

Vor diesem Hintergrund wäre es fatal für die SPD, das aktuelle Chaos nur am desaströsen Agieren des erfolglosen Kandidaten und Vorsitzenden Schulz festzumachen. Die gesamte Partei und insbesondere deren Führung, die ihn stark gemacht haben, sind verantwortlich. Während die Union auch in schweren Zeiten an ihren Chefs festhält, werden diese von der SPD stets demontiert. Letztlich hätte man sogar mit Schulz professioneller verfahren können: Man hätte ihm den Erfolg in den Koalitionsverhandlungen gönnen und ihn noch ein Übergangsjahr als Parteichef behalten können. Bei entsprechenden Signalen hätte er wohl gar nicht nach dem Außenministerium gegriffen und wäre nicht wortbrüchig geworden. Aber man demontierte Schulz als Parteichef und wundert sich nun, dass nur über diese Personalie geredet wird anstatt über die Inhalte des Koalitionsvertrags und die herausgehandelten SPD-Ressorts.

Immerhin ist es Nahles zuzutrauen, die Partei wieder in ruhigere Gewässer zu führen. Ob sie die geeignete Kanzlerkandidatin für 2021 wäre, ist noch ungewiss. Aber die SPD braucht jetzt vor allem eines: etwas Ruhe. Aber dafür muss noch eine dringende Frage geklärt werden: Was wird aus Sigmar Gabriel?

dieter.sattler@fnp.de

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