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Kommentar: Documenta - Ende mit Eklat

Von Die Documenta 14 schließt an diesem Wochenende – mit einem Minus von sieben Millionen Euro. Ein ordentlicher Brocken, den Chef-Kurator Adam Szymzcyk zurücklässt.
Blick auf das beleuchtete documenta-Kunstwerk „The Parthenon of Books”. Foto: Uwe Zucchi/Archiv Blick auf das beleuchtete documenta-Kunstwerk „The Parthenon of Books”.

Die Documenta 14 schließt an diesem Wochenende – mit einem Minus von sieben Millionen Euro. Ein ordentlicher Brocken, den Chef-Kurator Adam Szymzcyk zurücklässt. Dass er nun diejenigen beschimpft, die ihn retten müssen, Kassel und das Land Hessen, ist pikant: „Wir möchten das ausbeuterische Modell, unter dem die rechtlichen Gesellschafter der Documenta produzieren möchten, anprangern.“

Damit vollzieht er exakt die Argumentation, die die gesamte Kunstschau an beiden Standorten, in Athen und in Kassel, prägte: Die kapitalistische Gesellschaft sei menschenverachtend und gehöre abgeschafft. Nie hat Szymzcyk einen Hehl aus seiner Überzeugung gemacht. Nahezu jeder Künstler, den er eingeladen hat, erzählt von Ausbeutung und Unterdrückung. Der Zank um die Verantwortung für sieben Millionen Miese wirkt wie ein hässliches Spiegelbild dieses Konzepts. Und von so einem kapitalen Gegner des Kapitals nahm man an, seine oberste Priorität würde sein, dessen Spielregeln einzuhalten?

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Die ihn vor fünf Jahren engagiert hatten, hätten das wissen können. Szymczyk ist im Herzen ein Revolutionär. Nichts verachtet er so sehr wie den Duckmäuser-Kunstmarkt der Superreichen, der sich servil in die Herzen seiner Geldgeber schmeichelt. Kassel, die Jury, die ihn bestallte, und das Land Hessen haben den Bock zum Gärtner gemacht und ihm einen ganzen Kunstsommer lang beim Grasen zugeschaut.

Ökonomisch nicht messbar, aber genauso schwerwiegend: Die Documenta 14 war so politisch, dass man nachgerade vergessen konnte, dass es sich hier um eine Kunstausstellung handelte. Sie hat alles darangesetzt, die Welt als Moloch des mörderischen Kapitals zu enttarnen – und auf diese Weise ihre 850 000 Besucher verprellt. Darunter waren viele, die erstmals Kontakt mit zeitgenössischer Kunst suchten, sich von ihr auch Schönheit und Farbenrausch, Bilderlust und malerische Finessen erhofften. Ob sie jemals einen zweiten Versuch wagen werden?

dierk.wolters@fnp.de

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