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Kommentar: Ein heilsamer Riesling-Schock

Zum Rieslingsonntag gehört der Riesling der Rüsselsheimer Winzerfreunde. Foto: Rüdiger Koslowski Zum Rieslingsonntag gehört der Riesling der Rüsselsheimer Winzerfreunde.

Allein die bloße Vorstellung dürfte für fast schon erderwärmähnliche Hitzewallungen bei Freunden des Rebsafts sorgen: Der Riesling, „König der deutschen Weine“ mit internationaler Reputation, ein potenzielles Opfer des Klimawandels. Aus dem einfachen Grund, weil dem Prestigeprodukt des Rheingaus sowie anderer Weinbauregionen hierzulande und Geschäftsmodell für zahlreiche Winzer immer häufiger die kalten Nächte abhanden kommen, die er dringend benötigt, um seinen charakteristischen Geschmack zu entwickeln. Brrr, scheußlicher Gedanke.

Klaus Späne Bild-Zoom Foto: (FNP)
Klaus Späne

Dennoch führt die Spekulation über das Verschwinden des Rieslings vor Augen, wie nah die Einschläge des Klimawandels inzwischen gekommen sind. Und dass sich in unseren Breitengraden bereits eine Menge verändert hat, liegt auf der Hand. Erinnert sei an die schneearmen Winter, die langen Trockenperioden, die Häufung von schwerem Hagel und Überschwemmungen sowie vieles mehr, womit die Natur in den letzten Jahren verhaltensauffällig geworden ist. All das macht deutlich, dass da einiges auf dem Planeten aus dem Lot geraten ist und dringender denn je gegengesteuert werden sollte.

Umso verwunderlicher, dass bei den derzeitigen Sondierungen in Berlin die Klimapolitik einer der zentralen Streitpunkte ist, bei dem sich die Möchtegernkoalitionäre bisher kaum näher gekommen sind. Genauer gesagt reichte es bislang für einen Minimalkonsens, bei dem sich Union, Grüne und FDP gerade Mal darauf verständigt haben, dass die Klimaziele von Paris verbindlich sind. Bei dem Wie ist man jedoch nach wie vor Lichtjahre voneinander entfernt. Das gilt sowohl für den Ausstieg aus der Kohle als auch für das Verbot von Verbrennungsmotoren, wo andere Länder schon weiter sind. Es ist nicht der einzige Punkt, bei dem Musterschüler Deutschland, immerhin Hilfsgastgeber der UN-Klimakonferenz in Bonn, eine schlechte Figur abgibt. So wurde vor kurzem bekannt, dass Berlin sein Klimaziel für 2020 weiter verfehlen wird als bisher angenommen. In Zahlen: Statt der angestrebten 40 Prozent weniger Emissionen wird es nur für 30 Prozent reichen. Hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Aber das trifft nicht nur für Deutschland zu.

In das trübe Bild passt auch, dass der weltweite Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 nach mehrjährigem Stillstand wieder zunimmt. Inklusive der Tatsache, dass China, das sich bekanntlich gerne als neue Führungsmacht im globalen Klimaschutz geriert, nach wie vor mehr Kohle verfeuert als jedes andere Land der Welt. Es besteht also noch jede Menge Nachholbedarf. Und vielleicht bedarf es einer Art globalen Riesling-Schocks, sprich des drohenden Verlusts des Vertrauten und Geschätzten, dass die Welt endlich zur Besinnung kommt und Ernst macht mit dem Klimaschutz.

klaus.spaene@fnp.de Berichte auf den Seiten 1 und 3

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