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Sport: Kommentar: Ein kleines Sommermärchen

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Zuschauer der Leichtathletik-EM im Olympiastadion in Berlin. Foto: Bernd Thissen Zuschauer der Leichtathletik-EM im Olympiastadion in Berlin.

Es sind sensationelle Geschichten. Zwei Wochen vor seinem 21. Geburtstag krault sich ein Bremer in Weltjahresbestzeit zum Europameister über 1500 Meter; nur drei Schwimmer sind überhaupt jemals schneller gewesen als er. Das Team der deutschen Bahnradfahrer räumt im Velodrom von Glasgow Medaillen ab en masse – und im Berliner Olympiastadion werden am Donnerstag der Weltmeister und der Olympiasieger im Speerwurf zum Duell antreten. Nur wer, bitte, wüsste Namen zu nennen? Florian Wellbrock? Lisa Brennauer? Thomas Röhler und Johannes Vetter? Aber sie sind die sportlichen Champions und Favoriten dieser Woche.

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In die Reihe passt auch Gina Lückenkemper. Die erste Deutsche seit einem Vierteljahrhundert, die 100 Meter unter elf Sekunden sprinten kann, hat sich dieser Tage über mangelndes Interesse beklagt. Der Medien, Fernsehen vorneweg. „Wie sollen die Menschen von uns erfahren, wenn wir nie irgendwo gezeigt werden?“

Und wirklich ist Leichtathletik zu einer TV-Randsportart geworden – wie Schwimmen, Turnen, Bahnrad und Rudern schon längst. Das große Geld sahnt Fußball ab. Dabei beweist alle vier Jahre Olympia: Wenn übertragen wird – kann das Publikum sich kaum sattsehen.

Insofern: Glückwunsch zur Erfindung der „European Championships“ (ECS) an die beteiligten Sportverbände. Das Konzept, sieben Titelkämpfe in zwei Wochen und an zwei Orten zu konzentrieren, funktioniert auf Anhieb. Mitten in Berlin ist der Beweis zu betrachten: Am Breitscheidplatz, genau dort, wo vor gut eineinhalb Jahren zwölf Menschen durch Terror starben, feierten die Berliner die Eröffnung ihres Championship-Siebtels, sahen gratis und live die Kugelstoß-Qualifikation, dort werden sie abends die Sieger bejubeln. Ein kleines, aber doch auch ein Sommermärchen: fürs Publikum – und erst recht für die Sportlerinnen und Sportler.

Die können derlei gut brauchen. Denn aus Berlin, exakt: aus dem Regierungsviertel, kam für sie seit Olympia 2016 wenig Gutes. Das Stichwort heißt „Leistungssportreform“. Angestoßen hatte sie der für Sportförderung zuständige Bundesinnenminister – der damals noch Thomas de Maizière hieß und die Devise ausgab, Geld solle es künftig hauptsächlich gegen Medaillen geben. Eine Kürzung um ein bis zwei Drittel stand in Rede, DOSB als oberster Dachverband und Innenministerium lagen überkreuz. Dass der neue Chef statt weniger inzwischen mehr Geld in Aussicht stellt, klingt hübsch für die Funktionäre. Die Sportler aber dürfen das nicht für eine Garantie halten: Horst Seehofer investiert seine Energie anderswo – und will in Sachen Sport seine Ruhe.

Für die ECS-Tage ist das nicht schlecht. Aber danach entscheidet sich, ob die sensationellen Geschichten ein Happy End haben werden.

politik@fnp.de

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