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Olympia: Kommentar: Eine halbgare Entscheidung

"IOC-Präsident Dr. Thomas Bach, erklärtermaßen kein Freund von Kollektivstrafen, dürfte sich in dieser Sache durchgesetzt haben. Gesperrt wurde nur das nationale olympische Komitee Russlands. Eine halbgare Entscheidung", sagt unsere Kommentarschreiberin Kerstin Schellhaas.
Symbolbild Symbolbild

Nun also doch: Die Olympischen Winterspiele 2018 in Südkorea finden mit Russland statt – zumindest mit den russischen Athleten. Zwar dürfen sie nur unter neutraler Flagge starten und auch ihre Hymne wird nicht gespielt werden, doch sie sind in Pyeongchang dabei. Vorausgesetzt, sie können vor einer neu geschaffenen unabhängigen Behörde für Doping-Testverfahren nachweisen, dass sie nicht Teil des Dopingsystems waren. IOC-Präsident Dr. Thomas Bach, erklärtermaßen kein Freund von Kollektivstrafen, dürfte sich in dieser Sache durchgesetzt haben. Gesperrt wurde nur das nationale olympische Komitee Russlands. Eine halbgare Entscheidung.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Wie heißt es in der Olympischen Charta? „Die Aufgabe des IOC ist es, den Kampf gegen das Doping anzuführen.“ Schon vor den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 hatte sich das IOC nicht mit Ruhm bekleckert, als es auf einen kompletten Bann der Russen verzichtete, obwohl bereits da die Ergebnisse der Untersuchungen von Richard McLaren vorlagen. Der Sonderermittler der Welt-Antidoping-Agentur berichtete über ein System von Staatsdoping in Russland von 2011 bis 2016 sowie über den Austausch und die Manipulation von Doping-Proben russischer Athleten im Analyselabor der Winterspiele 2014. Seitdem sind die Beweise immer erdrückender geworden. Im Zuge der Untersuchungen wurden schon 25 russische Olympia-Teilnehmer von Sotschi wegen Dopings lebenslang gesperrt. Und trotzdem setzt das IOC kein deutliches Zeichen und schließt die gesamte Nation von den Winterspielen aus.

Natürlich sollen nicht alle russischen Sportler über einen Kamm geschert werden. Viele von ihnen sind mutmaßlich saubere Athleten. Gefangen in einem System, dem sie sich kaum entziehen können. Zuhause in einer Nation, die dem sportlichen Erfolg alles unterordnet. Auch die Gesundheit ihrer Athleten, die oftmals in den Händen von Funktionären und Trainern sind, die offensichtlich vor nichts zurückschrecken. Aber was ist mit den Strippenziehern? Einer wurde abgestraft. Witali Mutko. Der ehemalige Sportminister, der laut einem Kronzeugenbericht von dem Dopingbetrug in Sotschi gewusst haben soll, wurde lebenslang in allen Funktionen von Olympia ausgeschlossen. Doch wen schert’s? Mutko ist mittlerweile stellvertretender Premierminister in Russland, Präsident des Fußball-Verbandes und Chef des WM-Organisationskomitees. Er könne vor jedem Gericht bezeugen, dass in Russland nicht gedopt werde, sagte er vor Wochenfrist noch bei der Gruppenauslosung zur Fußball-WM 2018. Wie sagt man so schön? Der Fisch stinkt vom Kopf her. Einsicht? Fehlanzeige. Bereitschaft, das System zu ändern? Nicht vorhanden. Zumindest bisher nicht. Und das IOC trägt nichts dazu bei, dass sich die Haltung ändern müsste. Wer glaubt schon wirklich an einen Olympia-Boykott der Russen? Auch ohne Flagge und Hymne können russische Olympiasiege in Südkorea in der Heimat gefeiert werden. Das mächtige Russland kommt allzu leicht davon. Wieder einmal.

kerstin.schellhaas@fnp.de Bericht auf Seite 28

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