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Kommentar: Feuertaufe steht noch aus

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Euro-Geldscheine. Foto: Bernd Wüstneck/Archiv Euro-Geldscheine. Foto: Bernd Wüstneck/Archiv

Was hatten Wirtschaftsweise und Wissenschaftler vor der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns Anfang 2015 nicht alles geunkt: Jobverluste bis zu einer Million, massenweise Unternehmenspleiten, explodierende Verbraucherpreise.

Mehr als zwei Jahre später deutet indes nichts darauf hin, dass die hiesige Wirtschaft darüber zerbrechen könnte. Millionen Geringverdiener haben vom Mindestlohn profitiert, vor allem Ungelernte im Gastgewerbe und im Handel, besonders in Ostdeutschland. Und während kaum Jobs verloren gegangen sind, ist die Zahl sozialversicherungspflichtiger Stellen auf ein Rekordniveau gestiegen. Dabei deutet vieles daraufhin, dass tatsächlich sehr viele Minijobs in reguläre Stellen umgewandelt worden sind. Minijobs mögen in bestimmten Situationen und für eine gewisse Zeit interessant sein. Für viele Menschen, darunter viele Frauen, sind sie aber die einzige, häufig prekäre Einkommensquelle. Wenn also der Mindestlohn zum Aufbau regulärer Beschäftigung beiträgt, statt die Zahl der Minijobs weiter steigen zu lassen, ist das positiv.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Auch das „große Unternehmenssterben“ blieb aus. 2016 gab es so wenige Firmen-Pleiten wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Auch, weil dank höherer Löhne der private Konsum brummt. Endlich können sich diejenigen etwas mehr leisten, die zuvor jeden Cent umdrehen mussten. Zumal die Einführung des Mindestlohns in vielen Firmen dazu geführt, dass das gesamte Lohngefüge nach oben angepasst worden ist. Moderate Preissteigerungen durch die Mindestlohn-Einführung waren deshalb zu verkraften. Die Unternehmen profitieren durch höhere Umsätze. Betriebe, die schon vor 2015 faire Löhne gezahlt haben, freuen sich, dass die Lohn-Dumping-Konkurrenz eingedämmt worden ist.

Trotz dieser bisherigen Erfolge bleibt der Mindestlohn zunächst noch ein sozialpolitisches Experiment: Zum einen findet das Gesetz noch lange nicht flächendeckend Anwendung, verdienen nach wie vor viele Minijobber weniger als die vorgeschriebenen 8,84 Euro, weil Unternehmen schummeln. Zum anderen muss das Mindestlohn-Gesetz noch beweisen, dass es keine Schönwetter-Veranstaltung ist. Denn dessen bisherigen Erfolge hängen zum Teil sicherlich auch an der komfortablen wirtschaftlichen Verfassung des Landes. Deutschland steht im historischen und im internationalen Vergleich extrem gut da. Die Wirtschaft läuft mit viel Kraft, die Exporte boomen, die Nachfrage steigt, fast überall werden Arbeitskräfte gesucht, und zugleich kann der Bundesfinanzminister aufs Schuldenmachen verzichten, sogar ohne großartig sparen zu müssen. Was aber passiert, wenn die Konjunktur einbricht, die Arbeitslosigkeit steigt und dem Staat das Geld ausgeht, wenn Unternehmen wieder jeden Cent umdrehen müssen? Noch hat der Mindestlohn seine Feuertaufe nicht bestanden.

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