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SPD in der Krise: Kommentar: Flimmern in der Herzkammer

Von Die SPD hat gerade heftiges Kammerflimmern. Und kann sein, es erwischt sie am Sonntag der Herzkasper. Ein Kommentar von Cornelie Barthelme.
Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Foto: Olivier Hoslet (EPA) Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

Wer kein Genosse ist, kann die Lage heiter sehen. Und bespotten. Die SPD hat gerade heftiges Kammerflimmern. Und kann sein, es erwischt sie am Sonntag der Herzkasper. Mit Ansage, das hat man selten. In der außerpolitischen Welt nämlich rennt man zum Arzt bei gefühlter oder tatsächlicher Lebensgefahr – und wird gerettet. Oder beruhigt, wenn das genügt.

Wohin aber soll die SPD sich wenden? Den Puls fühlen ihr die Medien und die Volksbefrager längst im Stundentakt; und was beide diagnostizieren, kann der versammelten Sozialdemokratie kein bisschen Entspannung verschaffen. Im Gegenteil: Es muss sie beängstigen, zunehmend. Unausweichlich hat die Partei also mit heftigen Nervositätsschüben reagiert, je näher die Wahl in Nordrhein-Westfalen rückte. Jüngstes Symptom: die akute Ausschließeritis.

Cornelie Barthelme Bild-Zoom
Cornelie Barthelme

Zuerst befiel sie, gleich nach der Niederlage im Saarland, den Bundesvorsitzenden und Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Und knapp ehe die ersten Kreuze auf die Wahlzettel gemalt werden, hat sie auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft noch gepackt. Ihre Niemals-mit-den-Linken-Kur aber könnte zu spät gekommen sein, um misstrauische Unentschlossene aus der Facharbeiter-und-Beamten-Schicht anzulocken. Immer noch enttäuschte Agenda-2010-Gegner indes dürfte sie erst recht verprellen.

Wenn es nicht NRW wäre und nicht in guten vier Monaten Bundestagswahl: Man könnte sich sagen, die SPD hat es halt verpatzt, wieder einmal; das kann sie ja gut. Man könnte sich fragen, wie sie das hingekriegt hat, nachdem ihr doch mit Martin Schulz die Sympathien und die Mitglieder und die Prozente nur so zuflogen. Und man müsste sich, spontan, antworten, dass sie keinen wirklich fetten Fehler gemacht hat. Sie hat die Merkelmüdigkeit ein bisschen über- und das Panikerzeugungspotenzial der Linken ein bisschen unterschätzt. Und sie hat noch nicht wirklich verraten, wofür ihr Kanzlerkandidat 2017 steht. Aber hallo!? Kandidiert Martin Schulz etwa in NRW?

Ja. Ganz schlicht. So wie zuvor schon im Saarland und in Schleswig-Holstein. Die ganze Republik hat das so gesehen – und die SPD fand es schick; anfangs zumindest. Und das – ist ihr großer Fehler. Denn inzwischen hätte sie gern, dass nur Erfolge mit Martin Schulz nach Hause gehen.

Falls aber NRW am Sonntag verloren gehen sollte – wird das nicht klappen. Weil NRW ein Test- und Ernstfall ist. Kraft wie Schulz nämlich setzen auf dasselbe gute alte SPD-Thema: Gerechtigkeit. Und wenn das schon in NRW zum Siegen nicht reicht, dann…

Wer kein Genosse ist – aber vielleicht Kanzlerin –, darf das Flimmern in der Herzkammer der Sozialdemokratie kühlen Blutes registrieren. Im Willy-Brandt-Haus aber haben sie hoffentlich schon mal die politische Herzdruck-Massage geübt.

politik@fnp.de

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