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Kommentar: Fluglärm Unser Wohlstand hat seinen Preis

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Symbolbild Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Symbolbild

Das neue Anflugverfahren für den Frankfurter Flughafen kommt also nicht. Eine kluge Entscheidung der Flugsicherung. Allein deshalb, weil sie sich mit ihrem Verweis auf Sicherheitsrisiken im prallvollen Luftraum über Rhein-Main der Debatte über die Lärmfolgen von „Point-Merge“ entzieht.

Die Diskussion wäre ohnehin eine völlig fruchtlose geworden. 400 000 entlastete Menschen dort gegen eine Million an anderer Stelle aufwiegen? Diese Rechnung geht nicht auf. Sicher hätten viele Politiker ihre schiere Freude daran gehabt, Öl in dieses Feuer zu gießen, um persönlich voranzukommen. Allein: Diese Geisterdebatte hätte andere Lösungen unnötig in Warteschleifen gelotst.

Bild-Zoom Foto: (FNP)
Dennis Pfeiffer-Goldmann

Bitte nicht falsch verstehen: Dass sich die Menschen im östlichen Main-Kinzig-Kreis nach Eröffnung der Nordwest-Landebahn vor sechs Jahren wegen der neuen Geräusche am Himmel zu Wort meldeten, ist ihr gutes Recht. Ebenso ist es richtig, dass Menschen aus Flörsheim, Oberrad und Hanau gegen die Zunahme des Fluglärms protestieren. Nur durch den Druck der Bevölkerung sind die Verantwortlichen zu den vielen spürbare Verbesserungen seit 2011 getrieben worden. Wie höhere Gegenanflüge oder die satellitengeführten Präzisions-Endanflüge um die am dichtesten besiedelten Gebiete herum.

Doch es geht noch mehr. Beispielsweise spart die Lufthansa gerade einmal einen läppischen Hunderter pro Start- und-Landezyklus, wenn sie einen teuren, nagelneuen Airbus A320neo mit enorm leiseren Triebwerken einsetzt statt des längst abgeschriebenen, lauteren Vorgängermodells. Die Flughafengebühren als Stellschraube können Airport-Betreiber Fraport und das Land also noch viel effektiver als bislang nutzen.

Was sich nicht lohnt: Dass Betroffene nach Sankt-Florians-Prinzip ihren Fluglärm anderen abdrücken wollen. Flugzeuge werden Geräusche am Himmel über Rhein-Main produzieren, solange es den Flughafen gibt. Nicht nur: In den nächsten Jahrzehnten wird es mehr Flüge geben und damit – trotz leiserer Triebwerke – insgesamt mehr Lärm. Für viele eine bittere Wahrheit. Aber für den Flughafen-Ausbau haben sich mehrfach Mehrheiten in der Bevölkerung ausgesprochen. Also für wirtschaftliche Prosperität und steigenden Wohlstand für alle.

Wer das gute Leben im Rhein-Main-Gebiet genießen will, muss auch Nachteile wie die Geräusche des Großflughafens in Kauf nehmen. Das ist für Menschen, die in Sachsenhausen oder Raunheim direkt unter den Start- und Endanflugrouten, noch viel schwerer zu ertragen als für jene, die fern vom Airport erst recht neu und vergleichsweise dezente Geräusche am Himmel hören. Natürlich muss das Verhältnis zwischen Leben und Einschränkungen stimmen und immer wieder neu austariert werden. Das wird, sind wir mal ehrlich, immer schwerer, je mehr uns der Wohlstand zu Egoisten verzieht. Denn es zählt die schlichte Frage nach Solidarität: Erlaube ich auch meinem Nachbarn ein so gutes Leben, wie ich selbst es habe?

dennis.pfeiffer-goldmann@fnp.de Bericht Seite 3

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