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Kommentar: Frankreich: Noch mal gutgegangen

Frankreich stoppt Marine Le Pen. Macron macht das Rennen, Europa atmet auf. Ein Kommentar von Birgit Holzer.
Emmanuel Macron spricht am 07.05.2017, nachdem seine Konkurrentin Le Pen ihre Niederlage bei der Präsidentenwahl eingeräumt hat, im Hauptquartier seiner Bewegung «En Marche!» in Paris (Frankreich). Foto: Lionel Bonaventure (AFP POOL/AP) Emmanuel Macron spricht am 07.05.2017, nachdem seine Konkurrentin Le Pen ihre Niederlage bei der Präsidentenwahl eingeräumt hat, im Hauptquartier seiner Bewegung «En Marche!» in Paris (Frankreich).

Frankreich und alle, denen sein Schicksal nicht gleichgültig ist, können aufatmen – zumindest vorerst. Mit Emmanuel Macron zieht ein junger Hoffnungsträger in den Élysée-Palast ein, der keiner extremen Partei angehört, aber auch keiner etablierten und damit weder Chaos noch ein unbefriedigendes „Weiter so“ verspricht.

Er steht für ein Ende der schematischen Konfrontation von Linken und Rechten, die einander aus Prinzip gegenseitig blockieren. Der Schiffbruch der beiden traditionellen Volksparteien belegt die Sehnsucht nach Neuanfang – aber der künftige Präsident braucht die Unterstützung aller, um ihn umzusetzen.

Birgit Holzer Bild-Zoom Foto: Andreas Licht
Birgit Holzer

Macron hat eine pro-europäische Kampagne mit optimistischem Grundton geführt, die ihn als fordernden, aber zum Dialog bereiten Partner für die Nachbarn auswies. Er will Blockaden in der französischen Gesellschaft und Wirtschaft lösen und anders regieren als seine Vorgänger: Mit einem verkleinerten Kabinett, das nicht nur aus Berufspolitikern besteht und einer noch jungen Partei, die sich Koalitionspartnern nicht verschließt. Der Ausgang der Parlamentswahlen im Juni wird entscheidend sein für seine Handlungsfähigkeit.

Der 39-Jährige geht als Sieger aus einem Wahlkampf hervor, der in einem aggressiven Klima stattfand, von Beleidigungen und Skandalen geprägt war. Künftig muss Macron auch jene überzeugen, die Misstrauen gegen ihn als Vertreter einer fernen Elite ausdrücken, die ihm ihre Stimme nicht gegeben haben oder nur, um die Rechtspopulistin Marine Le Pen zu verhindern.

Auch geht es darum, die Gründe ihrer Anhänger zu verstehen und zu bekämpfen, die sich in ihren exzessiven Hass-Tiraden wiederfinden. Nie war der Front National so stark wie heute. Er hat sich wie eine normale Partei etabliert – ohne eine zu sein: Le Pen blieb in einer reflexhaften Protest- und Kritikhaltung, auf umsetzbare Vorschläge verzichtete sie.

Sie wird ihr großes Störpotenzial für einen sachlichen Austausch bewahren und alles tun, um Macrons fünfjährige Amtszeit dermaßen zu verderben, dass sie an ihrem Ende stärker dastehen könnte denn je. Die Herausforderungen für ihn sind enorm: Der junge Präsident muss nicht nur Frankreichs Wirtschaft stärken, seine Sicherheit garantieren, Reformen durchführen, Ungerechtigkeiten bekämpfen. Wichtig ist auch, den Franzosen wieder Optimismus und Vertrauen zu geben, nicht einer Schwarzmalerin Le Pen den Ton zu überlassen.

Im Wahlkampf hat Macron es versucht, aber nur einen Teil der Menschen erreicht. Nun ist er Präsident aller.

politik@fnp.de

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