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Deutsche Bank: Kommentar: Gefährliche Großaktionäre

"Tatsächlich jedoch haben sich in jüngster Zeit neue Risiken aufgetürmt, die potenziell äußerst gefährlich werden könnten für Deutschlands führendes Geldinstitut – und diese liegen in der veränderten Aktionärsstruktur", sagt unser Kommentarschreiber Thomas Baumgartner.
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Die Deutsche Bank ächzt unter einer Fülle von Altlasten, die die aktuelle Führung unter John Cryan entschlossen abarbeitet – so lautet die offizielle Version. Tatsächlich jedoch haben sich in jüngster Zeit neue Risiken aufgetürmt, die potenziell äußerst gefährlich werden könnten für Deutschlands führendes Geldinstitut – und diese liegen in der veränderten Aktionärsstruktur.

Einst war die Bank von der deutschen Industrie gegründet worden, wo lange Jahre auch die Anteile lagen; es gehörte bei vielen Dax-Konzernen bis zur Auflösung der „Deutschland AG“ zum guten Ton, Aktien an der Bank zu halten, die wiederum Anteile an diesen Unternehmen besaß. Mittlerweile jedoch liegen 44 Prozent der Aktien bei ausländischen Besitzern. Als Risiken gelten müssen vor allem zwei Großaktionäre der Bank, die erst jüngst eingestiegen sind bzw. ihren Anteilsbesitz massiv erhöht haben.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Da wäre zum einen die Herrscherfamilie Al-Thani des Emirats Katar, die seit drei Jahren investiert ist und nach den jüngsten verfügbaren Angaben rund acht Prozent, inklusive Optionen rund zehn Prozent hält. Dieser Wüstenstaat gilt seit langem als Terror-Finanzierer, seit Montag jedoch ist die Lage mit der Total-Blockade des Emirats durch seine arabischen Nachbarn dramatisch eskaliert. Gefährlich für die Bank könnte vor allem werden, dass US-Präsident Donald Trump den Schritt Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Vereinigten Arabischen Emirate ausdrücklich unterstützt und sich davon ein Ende der Terrorfinanzierung erhofft – was zu neuen Problemen mit amerikanischen Regulierern führen könnte.

Der zweite „kritische“ Großaktionär ist der chinesische Investor HNA (Hainan Airlines), der knapp zehn Prozent hält. Hinter der Firma soll die Familie von Chinas oberstem Anti-Korruptionsbekämpfer stehen, dem Politbüro-Mitglied Wang Qishan. Der Top-Korruptionsbekämpfer wäre also selbst korrupt – das behauptet zumindest der im US-Exil lebende chinesische Immobilien-Tycoon Guo Wengui. Der ist über Interna aus Peking bestens informiert und hatte enge Beziehungen zur Spitze des Ministeriums für Staatssicherheit. Übrigens unterhält Wengui auch beste Beziehungen zu Trump und spielt in dessen Resort Mar-a-Lago regelmäßig mit ihm Golf. Unabhängig davon darf sich nach den aktuellen Regeln guter Unternehmensführung keine Firma – und keine Bank – mehr in Korruptionsfälle verstricken lassen; wenn möglicherweise (was nicht bewiesen ist) mit Bestechungsgeldern Anteile gekauft werden, fällt das zumindest in eine Grauzone.

Zwar kann sich kein Manager seine Aktionäre aussuchen bzw. sie in „willkommen“ oder „nicht willkommen“ einteilen. Dennoch darf man klare Aussagen erwarten, dass Finanzierer von Terror oder staatlicher Unterdrückung nicht zu den willkommenen Empfängern ausgeschütteter Dividenden zählen und dass ihre Vertreter im Aufsichtsrat keinen Platz haben.

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