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Saudi-Arabien: Kommentar: Genau hinschauen

Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien, bei den Vereinten Nationen in New York Foto: Eskinder Debebe (United Nations Secretary General) Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien, bei den Vereinten Nationen in New York

In Nahost gibt es eine neue Allianz zu bestaunen: Israel und Saudi-Arabien nähern sich an. Das wird möglich, weil der junge saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman, der sich zum starken Mann in Riad entwickelt hat, sein Land umkrempelt und ins 21. Jahrhundert führen will. Er hat erkannt, dass ohne technologischen Fortschritt und Frauen-Power sein Land bei dauerhaft niedrigem Ölpreis seinen hohen Lebensstandard nicht wird halten können.

Zu den Umbaumaßnahmen gehört eben auch das Beenden der Dauerfeindschaft mit Israel. Salman hat jetzt ausdrücklich das Existenzrecht Israels anerkannt. Ähnlich wie Ägypten und Jordanien erkennt der Kronprinz, dass die Palästinenserfrage nicht die Hauptfrage in Nahost ist. Die ständige Empörung über den Erzfeind Israel hilft den Arabern ähnlich wenig, wie es den Afrikanern nutzt, wenn sie immer nur den Kolonialismus für ihre Misere verantwortlich machen.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Aber es ist nicht nur wirtschaftliche und politische Vernunft, die Salman leitet, es gibt auch strategisches Interesse. In der neuen Allianz mit Israel, Ägypten und Jordanien soll der Vormarsch des Iran eingedämmt werden. Teheran arbeitet an einer Achse, die sie über das zerstörte Syrien und die Hamas im Libanon bis nach Israel tragen könnte.

Im Kampf um die Vorherrschaft auf der Arabischen Halbinsel liefern sich der schiitische Iran und das sunnitische Saudi-Arabien einen Stellvertreter-Krieg im Jemen. Die Saudis gehen dabei genau so brutal vor wie Iran. Es wäre falsch aus lauter Begeisterung für den Reformeifer Salmans, den kritischen Verstand auszuschalten. Will er wirklich echte Demokratie und Gleichberechtigung? Kann man das von oben verfügen? Und wer weiß, ob er, wenn er alle Macht bekommt, nicht irgendwann auch Allmachtsfantasien entwickelt. Er wäre nicht der erste starke Mann, der als Reformer antritt und als Diktator endet: Putin und Erdogan lassen grüßen.

dieter.sattler@fnp.de

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