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Glyphosat: Kommentar: Gesund ist das nicht

Symbolbild Foto: Jens Büttner Symbolbild

Nicht alles, was erlaubt ist, ist gesund. Diese Lebensweisheit lässt sich auch auf den Unkrautvernichter Glyphosat anwenden, dessen Zulassung eine Mehrheit der EU-Staaten Ende November für fünf Jahre verlängert hat. Inzwischen hat sich der Rauch um die heftig umstrittene Zustimmung von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) verflüchtigt, und die Sicht auf die wichtigen Fragen dahinter wird wieder klarer.

Ob das Gift nun beim Menschen Krebs auslösen kann oder nicht, bleibt weiter zwischen internationalen Instituten umstritten. Klar ist aber ein anderer Aspekt, der in den Diskussionen oft vergessen wird: Auf jeden Fall ist das Totalherbizid schädlich für die Umwelt, für Pflanzen und Tiere. Insekten finden weniger Nahrung, weniger Insekten bestäuben weniger Blüten, Vögel finden nicht genügend Raupen, um ihre Jungen zu füttern: Die Artenvielfalt ist bedroht – und damit auch der Mensch.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Und weitere Grundsatzfragen verbergen sich hinter der Glyphosat-Diskussion: Wie soll Landwirtschaft in Zukunft betrieben werden? Wie viel Chemie wollen wir auf unseren Feldern zulassen? Wie viel sind uns unsere Lebensmittel wert? Welchen Einfluss sollen internationale Konzerne wie der Glyphosat-Erfinder Monsanto auf unsere Landwirtschaft haben? Denn es gibt Alternativen, Unkraut kann auch ohne diese chemische Keule bekämpft werden, die Bio-Bauern machen es vor.

Über diese Fragen sollten wir diskutieren und streiten. Ein plötzliches Verbot von Glyphosat hingegen löst nicht die massiven Umweltprobleme, die die industrialisierte Landwirtschaft mit sich bringt. Dann holen die Bauern andere Chemiekeulen aus den Schuppen. Aber auch ein „Weiter so“ ist keine Lösung, da bringen auch die sogenannten Blühstreifen für die Bienen, die der Hessische Bauernverband anlegen will, nur sehr wenig.

Was wir brauchen, ist eine umfassende Strategie, wie wir von der mit Chemie belasteten industrialisierten Landwirtschaft zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Felder kommen. Dazu gehört dann mittelfristig auch ein Verbot von Glyphosat und anderen ebenso schädlichen Pflanzengiften. Und auch jetzt kann schon einiges getan werden: Ein Verzicht von Kommunen auf das Gift, ein Verbot für Hobbygärtner und Hauswarte, mit der Glyphosat-Giftspritze zu hantieren, ein Plan der Bahn, in den Gleisbetten auf das Totalherbizid zu verzichten, und eine extreme Zurückhaltung der Bauern beim Gifteinsatz. Denn auch solange Glyphosat noch erlaubt ist, gilt: Gesund ist das nicht!

wiebke.rannenberg@fnp.de Bericht auf Seite 1

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