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Diesel: Kommentar: Gipfel der Mutlosigkeit

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Dieselmotoren sind sparsamer als Benziner. Das liegt unter anderem daran, dass der Kraftstoff über eine höhere Energiedichte verfügt. Foto: Patrick Pleul/dpa Dieselmotoren sind sparsamer als Benziner. Das liegt unter anderem daran, dass der Kraftstoff über eine höhere Energiedichte verfügt. Foto: Patrick Pleul/dpa

„Es kreißen die Berge, zur Welt kommt nur ein lächerliches Mäuschen.“ Mit diesen Worten wollte der römische Dichter Horaz diejenigen kritisieren, die nur wenig von dem halten, was sie großspurig versprochen haben. Der Gedanke lässt sich eins zu eins auf den hochgejazzten „Diesel-Gipfel“ in der Hauptstadt übertragen. Großflächige Fahrverbote zu vermeiden, war als Oberziel der Gipfelteilnehmer formuliert worden. Doch darüber, verehrte Frau Hendricks, verehrter Herr Dobrindt, entscheiden Richter, nicht Politiker. Statt eines Fahrplans für den Wechsel von Benzin- und Dieselmotoren hin zu neuen, sauberen Antriebstechnologien haben sich die Gipfel-Teilnehmer lediglich auf einen Minimalkonsens verständigt. Die Angst der Diesel-Besitzer vor rapidem Wertverlust quasi über Nacht bleibt damit weiter bestehen.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Leider haben Kritiker Recht behalten, die das von zwei zerstrittenen Bundesministerien veranstaltete „Nationale Forum Diesel“ von vornherein als reine Wahlkampf-Veranstaltung abgekanzelt haben. Es hat sich gerächt, dass Verbraucherverbände gar nicht eingeladen waren. Dass die Interessen von Millionen Autokunden in Deutschland von den Ministerpräsidenten der Länder ausreichend vertreten sein werden, wie es der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Laschet in die Welt posaunt hat, ist ein kaum zu überbietender Treppenwitz. Positiv an der Besetzung des runden Tisches war einzig das Ignorieren der Deutschen Umwelthilfe. Dieser Abmahnverein mit dubiosen Geschäftsmethoden und weniger Mitgliedern als ein Kleingartenverein hat sich zuletzt wie Popeye aufgespielt und versucht zu suggerieren, er sei die Interessenvertretung deutscher Autofahrer und der von Abgasen, Feinstaub und Lärm geplagten Stadtbewohner.

Dieselmotor in einem VW Touran: 2016 war in Deutschland knapp jedes zweite neue Auto ein Diesel. Foto: Julian Stratenschulte
Automobilindustrie Eine Chance für den Diesel

Natürlich, die allgemeine Verunsicherung in der Diesel-Gemeinde ist groß. Wird es tatsächlich Fahrverbote geben? Sollte man beim nächsten Autokauf wirklich noch einen Diesel in Erwägung ziehen? Hat der Diesel überhaupt noch eine Zukunft?

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Die Autoindustrie ist mit ihrer Zusage kostenloser Software-Updates für fünf Millionen Dieselautos der Emissionsklasse Euro 5 und teilweise 6 glimpflich davongekommen. Fakt ist: Ein Software-Update macht aus einem schmutzigen Auto kein sauberes, sondern nur ein weniger schmutziges. Freiwillige Prämien beim Eintausch älterer Diesel-Fahrzeuge – BMW etwa zahlt bis zu 2000 Euro – sind an den Kauf eines neuen Elektroautos oder Diesel der neuesten Generation geknüpft – Prinzip „linke Tasche, rechte Tasche“.

Den erhofften Befreiungsschlag zur Rückgewinnung verlorenen gegangenen Vertrauens hat es leider nicht gegeben. Bund und Ländern hat der Mut gefehlt, der deutschen Schlüsselindustrie technologische Nachbesserungen auch an Motor und Abgasreinigung abzuverlangen. Die Lösungen sind da – etwa die Vergrößerung der Tanks für die Harnstofflösung AdBlue, die schädliches Stickoxid neutralisiert. Doch das ginge richtig ins Geld. Auch wenn die Ministerpräsidenten Seehofer, Kretschmann und Weil betont haben, der Gipfel sei nur ein erster Schritt, dem weitere folgen müssten, ist das gestrige Ergebnis arg enttäuschend.

„Es hängt der Geruch des Todes über der Branche“, hat die „Financial Times“ formuliert. Das ist sicher übertrieben. Doch mit kleinkarierter Flickschusterei droht sogar eine Beschädigung des wertvollsten Guts der deutschen Wirtschaft: Das Qualitätssiegel „Made in Germany“ gerät so in Gefahr.

michael.balk@fnp.de Berichte Seite 1 und 4

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