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Kommentar: Glücksspiel - Ein sinnvoller Kampf

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Eine Frau sitzt an einem Spielautomaten. Foto: Federico Gambarini/Archiv Eine Frau sitzt an einem Spielautomaten. Foto: Federico Gambarini/Archiv

Der Kampf gegen das Glücksspiel ist ein sinnvoller Kampf. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geht davon aus, dass deutschlandweit mehr als 455 000 Menschen ein problematisches Spielverhalten aufweisen. Bei fast der Hälfte von ihnen hat die Zockerei sogar pathologische, krankhafte Züge.

Den Rausch, in den die Betroffenen geraten können, hat Dostojewski in seinem Roman „Der Spieler“ eindrücklich beschrieben. Über die literarische Qualität des Werks aus dem Jahr 1866 vergessen wir leicht seine Aktualität. Denn Menschen wie die Hauptfigur Aleksej Iwanowitsch begegnen uns auch heute, gut 150 Jahre später, auf der Straße. Sie opfern dem Glücksspiel ihr Geld, ihre Beziehungen, ihre Gesundheit, kurzum: ihr ganzes Leben – und finden in den Spielhallen fast überall Orte, die sie mit piepsenden und blinkenden Automaten in Versuchung führen. Menschen, denen der Ausstieg aus der Spielsucht gelungen ist, erzählen, dass sie manchmal schon das Geräusch einer Münze, die in einen Parkautomaten fällt, in Erregung versetzt und in die Gefahr eines Rückfalls bringt. Welchen Effekt auf Aussteiger muss da erst der Anblick einer Spielhalle am Straßenrand haben?

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Dass es sich bei den Glücksspielern mitnichten nur um Freizeitzocker auf der Suche nach etwas Zerstreuung handelt, zeigt die Nachfrage nach Hilfsangeboten: Allein die Hessische Landesstelle für Suchtfragen, die seit dem Jahr 2008 eine Fachberatung für Glücksspielsucht betreibt, zählt aktuell 1600 Klienten – und es gibt noch sehr viele weitere Träger, die sich der Beratung Spielsüchtiger widmen.

Eine andere Zahl lässt sogar noch stärker aufhorchen: Seit der verpflichtenden Einführung des hessischen Spielersperrsystems vor gut drei Jahren haben sich laut Regierungspräsidium Darmstadt landesweit gut 14 000 Menschen selbst sperren lassen. Wer, wenn nicht Spieler mit Gespür für einen drohenden Kontrollverlust, würden dergleichen tun?

Der Kampf gegen das Glücksspiel ist ein sinnvoller Kampf. Wenn der Gesetzgeber ihn glaubwürdig führen will, darf er allerdings nicht bei den Spielhallen haltmachen: Wettbüros, Kasinos und Zockerportale im Internet stellen eine ebenso große Gefahr für Menschen mit Disposition zur Sucht dar. Die Spielhallenbetreiber kritisieren zu Recht, dass das Land und die Kommunen nicht überall denselben Maßstab anlegen.

christian.scheh@fnp.de Bericht auf der Titelseite

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