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Kommentar: GroKo - Wo sind die Achtzehner?

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Martin Schulz im Bundestag. Wird es eine Neuauflage der GroKo geben? Foto: Michael Kappeler/Archiv Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Martin Schulz im Bundestag. Wird es eine Neuauflage der GroKo geben?

Wo fangen wir an? Oder mit wem? Nehmen wir Seeon. Und dazu Alexander Dobrindt. 1970 geboren. Mitten in seinem 48. Jahr arbeitet er sich an den Achtundsechzigern ab. Allen Ernstes. Die Achtundsechzigerinnen – das nur der Vollständigkeit halber – erwähnt der neue Chef der Christsozialen in Berlin gar nicht erst. Logisch, wenn einer „1968 hinter uns lassen“ will.

Kann schon sein, dass der Diplom-Soziologe Dobrindt mit seiner späten Geburt hadert. Ganz sicher hält er den potenziellen CSU-Wähler – und eventuell auch die Wählerin – für unbedarft genug, hereinzufallen auf ihn und seine aus Biedermeier und Reaktion sehr grob gewobene Verlockung in irgendeine irgendwie gute alte Zeit.

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Seit Sonntag – und noch bis Donnerstag – redet Dobrindt in Berlin über die Bildung einer Regierung, von der er und die restlichen fünf Spitzen-Beteiligten gar nicht oft genug behaupten können, wie neu und fortschrittlich sie sein solle, in jeglicher Hinsicht. Weshalb all das Neue und Fortschrittliche denn in den zurückliegenden vier größtkoalitionären Jahren so gänzlich ausgeblieben ist und weshalb man also glauben sollte, dass es nun aber kommen wird in weiteren dreieinhalb nur noch großkoalitionären: Darauf gibt niemand bislang eine Antwort – obwohl es doch die logischsten und drängendsten Fragen überhaupt sind, ehe man zu Inhalten kommt.

Geredet wird stattdessen unaufhörlich von einem einzigen Thema: den Flüchtlingen. Als würden sie allein über die Zukunft der Republik entscheiden. Selbstverständlich entscheiden gerade sie gar nichts. Und was die Zukunft angeht: Da wäre – wie einst durch die Achtundsechziger – zum Allermindesten eine klare Analyse der Gegenwart mit all ihren Widersprüchen fällig.

Und dazu der Mut zur Verbesserung all dessen, was nicht funktioniert für die Bürgerinnen und Bürger, als die sich im Jahr 2018 ja alle fühlen dürfen und die meisten auch verstehen: Die föderalismuszerschlissene Bildung in heruntergekommenen Schulhäusern; das durchökonomisierte Gesundheits- und Pflegesystem, dem die Überantwortung an renditeorientierte Konzerne viel mehr zusetzt als die Private Krankenversicherung; die ungerechte Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit und ihrer Bezahlung samt ihren Folgen für Renten und Alter.

Und wer durchdenkt und gestaltet eigentlich die Digitalisierung in all ihren Chancen und Risiken?

Zwölf Jahre lang hatte Angela Merkel Zeit, zehn Horst Seehofer, keins Martin Schulz – aber seine SPD acht. Und jetzt wollen sie weitermachen, einfach immer weiter. Und keiner schreit: Stopp! Keiner ruft: Wir wollen eine andere Politik! Eine, der es ums Morgen und Übermorgen geht – nicht ums Gestern! Wo sind sie nur, die Achtzehner?

politik@fnp.de Bericht auf dieser Seite

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