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Kommentar: Gute Ärzte brauchen kein 1er-Abitur

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(Symbolbild) Foto: dpa (Symbolbild)

In meiner Schulzeit hat die Jahrgangsbeste mit einem Abischnitt von 1,0 ein Medizinstudium aufgenommen. Sie war keine Streberin, ihr sind die guten Noten zugeflogen, und sie ist eine leidenschaftliche und sehr gute Ärztin geworden. Doch die überragende Bedeutung der Schulnoten für das Medizinstudium war schon damals umstritten. Kann nicht auch der ein sehr guter Arzt werden, der vielleicht „nur“ einen guten Abischnitt hat, also eine zwei? Natürlich. Es gibt sogar Ärzte, die darüber klagen, dass viele Nachwuchskräfte zwar perfekte Noten, aber zu wenig Empathie haben, um wirklich sehr gute Ärzte zu werden. Statt Menschen, die Fingerspitzengefühl im Umgang mit Patienten haben, kommen oft Lernmaschinen, die von klein auf auf Erfolg getrimmt wurden.

Dieter Sattler Bild-Zoom Foto: (FNP)
Dieter Sattler

Weil die einseitige Festlegung auf den Abischnitt ein zu enges Kriterium ist (auch wenn es durch die Faktoren Zugangsprüfung und Wartezeit flankiert wird), war die Verfassungsklage gegen die bisherige Auswahlpraxis erfolgreich. Jetzt muss nachjustiert werden. Aber es bleibt wie in vielen anderen Feldern das große Problem, dass es absolute Einzelfallgerechtigkeit nicht gibt. Irgendwo muss man bei der Schulnote dann doch die Grenze setzen. Im Einzelfall könnte zwar auch jemand mit relativ schlechtem Abi als Mediziner reüssieren, aber völlig ohne Aussagekraft ist das Abitur dann doch nicht. In der Schule wird die Breite unseres Leistungsvermögens bewertet, auf die wir uns später nicht selten auch in Fachberufen stützen können und müssen. Wenn statt der Note die Aufnahmeprüfung der Uni in den Fokus rückt, könnten wieder die klagen, die in der Schule Leistung gebracht haben, aber in der Prüfung aus Nervosität unter ihrem Leistungsvermögen bleiben. Man könnte auch Kriterien wie Berufserfahrung und ehrenamtliches Engagement mit heranziehen.

Auf jeden Fall wäre es klug, das Studentenkontingent zu erweitern. Es kann nicht sein, dass wir jungen Leuten, die von unseren Schulen kommen, das Medizinstudium verweigern – um dann fehlende Ärzte zu importieren.

dieter.sattler@fnp.de Bericht auf dieser Seite

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