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Gewaltbereite Anhänger: Kommentar: Hooligans, das Krebsgeschwür des Fußballs

Von "Sie sind ein Krebsgeschwür, das einen populären Massensport befallen hat und das Stadion als Bühne für selbstherrliche Gewaltexzesse missbraucht", sagt unser Kommentarschreiber Mirco Overländer
Symbolbild Symbolbild

Gewaltbereite Hooligans, die sich in Cafés oder wie am Sonntag am S-Bahnhof Niederrad zu wüsten Schlägereien verabreden, sind keine Fußballfans. Sie sind ein Krebsgeschwür, das einen populären Massensport befallen hat und das Stadion als Bühne für selbstherrliche Gewaltexzesse missbraucht.

Die Leidtragenden sind die Vereine und alle friedlichen Fußballfans, die sich seit Jahren vergeblich gegen die Ausbreitung dieser Krankheit stemmen. Ähnlich verhält es sich übrigens mit Linksautonomen, die jede Demo nutzen, um ihre Lust an Gewalt auszuleben.

Mirco Overländer Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Mirco Overländer

So zu tun, als hätte der Fußball kein strukturelles Gewaltproblem, wäre jedoch die falsche Schlussfolgerung. Denn die Trennlinie zwischen Ultras, die im Stadion für Stimmung sorgen, und jenen Unbelehrbaren, die sich an Schlägereien mit anderen Fangruppen und Polizisten ergötzen, verläuft fließend. Das Problem für die Vereine ist: Ohne Ultras, die alles für ihren Verein geben, ist die Stimmung meist mau: Das zeigt sich regelmäßig bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft.

Ultras sind ein Hauptgrund dafür, dass der durchkommerzialisierte Fußball nicht vollends zum Plastik-Sport verkommen ist. Doch wenn Emotion und Leidenschaft in Gewalt umschlagen, wird eine kritische Grenze überschritten. Eine Ächtung derjenigen, die sich schon vor Spielbeginn auf Temperatur trinken und nach Abpfiff in der dritten Halbzeit die Fäuste fliegen lassen, kann und darf nicht Aufgabe der Fans sein. Denn das Stadion ist kein rechtsfreier Raum – und auch kein Ort der Selbstjustiz.

Was jedoch passiert, wenn man den Krawallmachern nicht rechtzeitig Grenzen aufzeigt, lässt sich in Italien, Polen und Griechenland beobachten: Trotz massivem Polizeiaufgebots und von Verbänden verordneter Geisterspiele sind Hooligans nicht aus den Stadien verschwunden. Im Gegenteil: Während Vereine und Verbände im Chaos versinken, haben sich die meisten normalen Fans aus den Stadien verabschiedet und verfolgen die Spiele ihrer Mannschaft vom Fernseher aus.

Doch wenn Hooligans ihre Gewaltexzesse auf die Straße verlagern, hilft auch das größte Polizeiaufgebot am Spieltag nicht weiter, um unbeteiligte Passanten zu schützen. Kollektivstrafen, wie sie der DFB immer wieder verhängt, verfehlen ihr Ziel. Sie sorgen dafür, dass sich Ultras und normale Fans mit den Krawallmachern solidarisieren.

Die betroffenen Vereine müssen endlich rigoroser reagieren, um dem Krebsgeschwür, das sie befallen hat, den Nährboden zu entziehen: Stadionverbote, empfindliche Geldstrafen für Gewalttäter und personalisierte Tickets wären probate Mittel, um für Frieden in den Fanblöcken zu sorgen. Gleichzeitig würde jenen, die den Sport für ihre Mätzchen missbrauchen, jene Bühne genommen, die sie als Rechtfertigung für ihre hirnlosen Gewalttaten nutzen.

mirco.overlaender@fnp.de

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