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Wahlkampf: Kommentar: Im Tunnel

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Duell? „Duell heißt für mich: Zwei Kontrahenten, zwei Waffen und einer liegt zum Schluss tot am Boden“, findet Berlin-Korrespondent Derek Scally. Foto: Dpa (dpa) Duell? „Duell heißt für mich: Zwei Kontrahenten, zwei Waffen und einer liegt zum Schluss tot am Boden“, findet Berlin-Korrespondent Derek Scally.

Er will also immer noch „Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden“. Er bietet Angela Merkel sogar die Vizekanzlerschaft an. Die Frage nach Koalitionspartnern beantwortet Martin Schulz 13 Tage vor der Bundestagswahl, indem er erst lacht und dann „Prozessionen Richtung Willy-Brandt-Haus“ beschwört, noch am Wahlabend. Ist der Kanzlerin-Herausforderer ein begnadeter Selbstironiker – oder büßt er gerade den Bezug zur Wirklichkeit ein?

Weder – noch. Schulz tut, was die Lage erfordert. Die ist, in Prozenten gemessen, bescheiden. Und ernst. Für die Partei, die er führt, vielleicht sogar noch etwas ärger als für ihn persönlich. Der SPD drohe, so wird im Regierungsviertel getuschelt unter Verweis auf die fast täglich neuen und immer schwachen Umfragewerte, der Test neuer Tiefstände.

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Kann gut sein. Oder auch gar nicht. Was das Wahlergebnis angeht nämlich bewegen sich die Demoskopen am exakt selben Ort wie Martin Schulz. Im Tunnel. Nur ist das für sie – anders als für ihn – kein bisschen von Vorteil. Die Wahlforscher geben, einerseits, an, das Resultat mit großer Genauigkeit vorherzusagen. Und bemessen, andererseits, die Menge der Unentschlossenen auf nahezu 50 Prozent. Niemand, auch sie nicht, kann sagen, wohin die sich wenden werden – und was das dann am Ende bedeutet. Nur logisch, dass Schulz in die Zuwartenden alle Hoffnungen setzt.

Man muss ja nicht glauben, dass sich das Willy-Brandt-Haus über die Vorwahlwochen hinweg in ein Wolkenkuckucksheim verwandelt hätte. Obendrein wird Schulz’ Zuversicht – oder das, was er dafür ausgibt – ohnehin nicht dort gemacht; sondern auf all den Markt- und sonstigen Plätzen der Republik, wo Schulz auf das Wahlvolk trifft. Buht es ihn etwa aus wie ein Teil Angela Merkel? Eben! Im Gegensatz zu ihr darf er sich dort durchaus gefeiert fühlen. Was das heißt? Nichts, selbstverständlich, rein ergebnisarithmetisch genommen. Die „Merkel-muss-weg!“-Zürner meinen ja nicht gleichzeitig, Schulz müsse her. Und umgekehrt bedeuten für ihn viele Interessierte nicht zugleich schon viele Stimmen.

Wer ein bisschen gemein sein will, könnte Schulz’ Montagsoffensive als Schrei nach Aufmerksamkeit deuten. Je mehr der Kampf um Platz 3 im Bundestag beachtet und je mehr verstanden wird, dass sich dort zumindest entscheiden könnte, welche Debatten das Parlament führen muss und kann in den kommenden vier Jahren, eventuell auch, ob die Republik sich eher ökologisch ausrichten wird oder ökonomisch – umso mehr Aufmerksamkeit verliert der Wettbewerb zwischen Merkel und Schulz. Ihr schadet das nicht. Ihm eher schon. Insofern ist der Tunnel für Martin Schulz gerade der perfekte Ort. Und wenn es für den Rest der Welt darin noch so schwarz ist. Für ihn ist alles rot. Fast alles.

politik@fnp.de

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