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Bombenentschärfung: Kommentar: Kein Bezug mehr zur Gefahr

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Ein Warnplakat hängt am 03.09.2017 in Frankfurt am Main (Hessen) an der Bombenfundstelle. Eine englische Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg soll entschärft werden. Bis zu 70 000 Menschen müssen in einer der größten Evakuierungsaktionen der deutschen Nachkriegsgeschichte bis 8.00 Uhr die Sperrzone verlassen haben. Foto: Andreas Arnold/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Andreas Arnold (dpa) Ein Warnplakat hängt am 03.09.2017 in Frankfurt am Main (Hessen) an der Bombenfundstelle. Eine englische Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg soll entschärft werden. Bis zu 70 000 Menschen müssen in einer der größten Evakuierungsaktionen der deutschen Nachkriegsgeschichte bis 8.00 Uhr die Sperrzone verlassen haben. Foto: Andreas Arnold/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Anruf in der Redaktion am Sonntagabend, nach der erfolgreichen Entschärfung der Weltkriegsbombe in Frankfurt: Ein Leser aus Mörfelden-Walldorf ist am Telefon, 80 Jahre alt, er hat den Krieg selbst erlebt – und während der letzten Kampfhandlungen seine Mutter verloren. Was in Frankfurt passiert ist, geht ihm nahe.

Nicht nur, weil durch den Fund der britischen Luftmine die schrecklichen Ereignisse plötzlich wieder sehr präsent sind. Er kann es nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die in der Sperrzone wohnen und durch die Bombe ihre Bequemlichkeit und ihre Freiheit beschränkt sehen, die am Sonntag lieber ausschlafen würden, die sich am Ende von der Polizei abführen lassen und damit nicht nur den Einsatzkräften, sondern auch ihren Nachbarn die Zeit stehlen. Für so viel unsolidarischen Starrsinn kann es nur eine Erklärung geben: Wir haben keinen Bezug mehr zur Gefahr, die wir nur noch abstrakt aus Filmen und Computerspielen kennen und nicht einschätzen können. Und wir sind nicht bereit, wegen „ein bisschen Bombe“ unsere Komfortzonen zu verlassen.

Günter Murr Bild-Zoom Foto: (FNP)
Günter Murr

Aber dieser denkwürdige Frankfurter Sonntag hat auch sehr viel Positives gezeigt: Unsere Sicherheitsbehörden sind in der Lage, eine derart umfangreiche Aktion in kürzester Zeit weitgehend reibungslos zu organisieren. Es stehen viele haupt- und ehrenamtliche Helfer bereit, die nicht auf die Uhr oder auf den Kalender schauen, sondern ganz einfach, ohne lange zu fragen da sind, wo sie gebraucht werden. Und es gibt die zahlreichen privaten Initiativen von Menschen, die für ihre von der Evakuierung betroffenen Nachbarn die Türen öffneten oder ein Programm auf die Beine stellten. Diese schönen Erfahrungen machen Mut und zeigen, dass die rücksichtslosen Egoisten in Frankfurt doch die Ausnahme sind.

Guenter.Murr@fnp.de Bericht auf Seite 1

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