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Kommentar: Kirche zwischen Not und Chance

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Peter Kohlgraf (l), neuer Bischof von Mainz, geht am 27.08.2017 nach seiner Amtseinführung vor dem Dom in Mainz (Rheinland-Pfalz) an den Zuschauern vorbei. Foto: Arne Dedert (dpa) Peter Kohlgraf (l), neuer Bischof von Mainz, geht am 27.08.2017 nach seiner Amtseinführung vor dem Dom in Mainz (Rheinland-Pfalz) an den Zuschauern vorbei.

Nun hat also auch das Bistum Mainz wieder einen neuen Oberhirten – nach 15-monatiger Vakanz, die nach demAbschied von Kardinal Lehmann entstanden war. Auffällig daran ist, dass es sich bereits um die zweite Top-Personalie in einem Bistum der Rhein-Main-Region innerhalb von knapp einem Jahr handelt, nachdem Georg Bätzing vergangenen September zum neuen Bischof von Limburg geweiht worden war.

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Klaus Späne

Beide Männer, der 50-jährige Peter Kohlgraf wie auch der 55-jährige Bätzing, stehen für eine neue Generation von Kirchenführern. Beide stammen aus einfachen Verhältnissen, gelten als bodenständig und sozial (Bätzing) oder praktisch und alltagstauglich (Kohlgraf), scheinen also ähnlich gepolt zu sein. Es sind jedenfalls nicht die schlechtesten Charaktereigenschaften in einer Zeit, in der weiterhin die Gläubigen davonlaufen, die Gotteshäuser oft leer sind, eklatanter Priestermangel herrscht, und die Institution zwischen dem von Papst Franziskus verordneten Aufbruch und dem Beharren auf Dogmen wie Zölibat oder der Verweigerung der Frauenordination laviert.

Ähnliche Probleme hat die protestantische Konkurrenz. Auch die Evangelische Kirche verliert nach wie vor viele Mitglieder – 190 000 im Jahr 2016, während es bei den Katholiken knapp 162 000 waren. Sie hat zudem große Nachwuchssorgen und vermag nicht mehr wie früher die Menschen für sich zu begeistern. Zu sehen an dem Besucherrückgang auf dem diesjährigen Kirchentag. Und das ausgerechnet im Lutherjahr, in dem mit enormen Aufwand 500 Jahre Reformation gefeiert wird.

Einen krassen Kontrast zu diesem Bedeutungsverlust der großen christlichen Konfessionen bildet die allgemeine Verunsicherung, die in den westlichen Gesellschaften herrscht. Die Menschen sehen sich einerseits mit der Bedrohung durch radikale Islamisten konfrontiert. Anderseits mit tiefgreifenden Veränderungen gerade in der Arbeitswelt. Bei vielen gibt es daher eine starke Sehnsucht nach Orientierung, Stabilität und Sicherheit, was eigentlich die Kirchen bedienen könnten.

„Ein waches Ohr für die Themen der Zeit“ haben, forderte Peter Kohlgraf dieser Tage in einem Interview. Und er sprach sich dafür aus, dass die Kirche im Einsatz für die Menschlichkeit keine Berührungsängste kennen sollte, sich nicht zu schade dafür sein sollte, „sich die Hände schmutzig zu machen“. Schöne Worte, denen nun aber schnellstmöglich Taten folgen sollten, auch in Form von mutigen institutionellen Reformen, wenn die Kirche wieder mehr Gehör finden will. Die Voraussetzungen dafür scheinen jedenfalls günstig zu sein.

klaus.spaene@fnp.de Berichte auf Seiten 1 und 6

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