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Kommentar Kontra Orgendspenden-Pläne: Spahns Pläne sind skandalös

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Symbolbild Bilder > Foto: Axel Heimken (dpa) Symbolbild

Bin ich ein gewissenloser, eigensüchtiger Mensch, wenn ich mich gegen die Pläne des Gesundheitsministers ausspreche? Anders gesagt: Sollten mein Christenherz, meine Empathie für alles Lebendige, mein Sinn fürs Humane mich nicht überzeugen zu helfen, wo immer ich kann? Ja. Selbstverständlich. Aber nur freiwillig, wenn ich mich bewusst dafür entscheide.

Es wäre skandalös, wenn sich der Staat mit dem Argument, es diene einem guten Zweck, ein Zugriffsrecht auf meinen Körper anmaßte. Dass ich in einer Angelegenheit Widerspruch anmelden soll, die meine ureigene ist. Ich weiß nicht, ob ich meinen Körper einer Schöpfung oder der Natur verdanke. Aber ich weiß, dass die Einheit von Körper, Geist und Seele das ist, was mich ausmacht. Im Leben wie im Augenblick des Todes. Und womöglich – wer wüsste es? – auch danach. Wenn das Grundgesetz sagt, die Würde des Menschen ist unantastbar, dann gilt das für alle Phasen und Zustände seiner Existenz. Der menschliche Leib ist per se weder Gegenstand von Experimenten noch Ersatzteildepot. Seine Organe sind keine Ware. Nur ein banales materialistisches Weltbild reduziert den Menschen auf die Summe seiner Funktionen und Hardwarekomponenten.

Es führt in einen heillosen moralischen Widerspruch, ihn als das Höchste schätzen und zugleich als chemisch-physikalischen Mechanismus ansehen zu sollen: Ein Apparat hat keine Würde – alles ist erlaubt. Und wir haben gelernt: Dr. Jekyll ist Mr. Hyde. Aus einem Hippokrates wird ein KZ-Arzt Mengele. Der Markt weidet ohne Bedenken jene aus, die sich für eine Niere ein Leben unter besseren Umständen erhoffen. Wer reguliert ihn, wenn sich das Geschäft mit den Toten belebt?

Die Deutschen sind bei der Organspende zurückhaltender, als es geboten sein könnte. Deshalb will Spahn künftig nachlässige oder gleichgültige Bürger mit seinem Gesetz überrumpeln: Wer nicht widerspricht, dessen Körper ist dem Staat verfallen. Allein: Wer kontrolliert den Staat? Niemand darf Menschen bedrängen, sich in die eine oder andere Richtung zu entscheiden. Wer sich aus freien Stücken entschließt, im Tod Leben zu retten, hat dazu alles Recht.

Es mag eine naive, sentimentale, kindliche Vorstellung sein, die letzte Ruhe mit einem unversehrten, unangetasteten Körper finden zu wollen. Aber sie ist legitim, kein Grund für ein schlechtes Gewissen. Diese Freiheit zu verlieren, weil man sich dem Zwang staatlicher Bürokratie nicht gefügt hat, ist eine Enteignung, ein Anschlag auf die körperliche Integrität – und die persönliche Würde.
michael.kluger@fnp.de

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