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Griechenland-Krise: Kommentar: Luft zum Atmen

Von Nachdem die Geldgeber die Daumenschrauben inzwischen weit über das erträgliche Maß angezogen haben, kommen sie um das Thema Schuldenerleichterungen nicht länger herum. Ein Kommentar von Detlef Drewes.
Kaffeepause: Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras stärkt sich während eines Kabinettstreffens in Athen mit einem Schluck Kaffee. Foto: Thanassis Stavrakis Kaffeepause: Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras stärkt sich während eines Kabinettstreffens in Athen mit einem Schluck Kaffee. Foto: Thanassis Stavrakis

Es sind bittere Einschnitte, die auf die Griechen nun zukommen. Aber Athens Regierung hat – rechtzeitig vor der nächsten Tagung der Euro-Finanzminister am Montag – die beiden wohl schwersten Reformkapitel abgehakt. Damit sind zwar die Voraussetzungen für die nächste Überweisung aus dem dritten Hilfspaket hergestellt. Es bleibt aber die Frage, ob damit wirklich geschafft ist, was man schaffen wollte. Ja, Athen hat den Katalog der Reformvorgaben weitgehend erledigt. Aber nun muss die Wirtschaft anspringen, müssten die Betriebe investieren, um neue Jobs und Einnahmen zu generieren. Die große Befürchtung bleibt, dass die Rotstift-Orgie, die die Geldgeber eingefordert haben, der Wirtschaft die Luft zum Atmen nimmt. Es stimmt zwar, dass Tsipras schon das kleinste Plus gleich wieder für Wahlgeschenke ausgegeben hat. Mit dem Weihnachtsgeld für Rentner hatte er sich allerdings wenigstens etwas politische Ruhe und Zeit erkauft. Denn man sollte sich nichts vormachen: Egal wie man zu dem Chef des Links-Bündnisses auch steht – von ihm wird nicht weniger erwartet, als gegen das Volk zu regieren. Dessen bittere Not kommt in den Papieren der Geldgeber nicht vor, ist aber längst die schmerzliche Realität der Menschen.

Detlef Drewes Bild-Zoom
Detlef Drewes

Nachdem die Geldgeber die Daumenschrauben inzwischen weit über das erträgliche Maß angezogen haben, kommen sie um das Thema Schuldenerleichterungen nicht länger herum. Natürlich weiß auch Tsipras, dass es kein bloßes Streichen der aufgelaufenen Beträge geben wird. Die Euro-Finanzminister können sich keinen Verzicht auf geliehenes Geld leisten. Längst sucht man nach anderen Wegen – von längeren Laufzeiten und nochmals gesenkten Zinsen bis hin zur Übernahme der Kredite, die der Internationale Währungsfonds vergeben hat, durch den ESM-Rettungsfonds. Das würde die Schuldenlast zwar nur verschieben, aber Athen massiv entlasten – und möglicherweise auch den IWF überzeugen, offiziell in das dritte Hilfspaket einzusteigen. Irgendwie wird man also die Schuldentragfähigkeit zumindest optisch herstellen, um Griechenland wenigstens auf dem Papier zu entlasten und keinen glatten Schnitt zuzulassen. Ob das reicht, um die Hellenen wieder an den Kapitalmarkt zurück zu bringen und dringend benötigte Investoren anzulocken, ist unsicher. Was die Griechen darüber hinaus gut brauchen könnten, wäre eine regelrechte Buchungswelle für die Urlaubssaison 2017.

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