Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Kommentar: Maas, Manna und Moral

Eric Richard Foto: Eric Richard (priv.) Prof. Dieter Weirich

Vertrauen ist das entscheidende Kapital für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Der dafür unersetzliche Kitt ist das Gemeinwohl, die politische Lieblingsvokabel für die Mobilisierung von Moral. Mit Abscheu verfolgen wir jene egozentrischen und ihrer Gier verfallenen Figuren, die „mein Wohl“ mit Gemeinwohl verwechseln, sich unanständig bereichern, Unternehmen ruinieren, korrupt oder nepotistisch sind. Erfreulicherweise gibt es aber in ihrer Leuchtkraft gute Beispiele von beeindruckendem Altruismus, ob bei der Pflege alter und behinderter, bei Bildung und Ausbildung junger Menschen, bei der Integration von Migranten oder bei großzügigem Mäzenatentum für wohltätige Zwecke.

Fragwürdige Wohltäter der Menschheit trifft man allerdings häufig in der Politik an. In Gutsherrenmanier und mit großer moralischer Pose breitet man das Füllhorn staatlicher Ausgaben vor den Bürgern aus und strapaziert dessen Intelligenzquotienten. Ein besonders krasses Beispiel lieferte jüngst in einer Talkshow Justizminister Heiko Maas. Den Vorhalt von Milliardenkosten für die Eingliederung von Hunderttausenden Flüchtlingen wischte er missmutig mit dem Satz weg: „Die Milliarden für die Integration werden in diesem Land erwirtschaftet und wurden niemand weggenommen.“

Diese Philosophie von Verteilungsgerechtigkeit erinnert an das biblische Himmelsbrot Manna bei Moses, das den Israeliten auf ihrer 40-jährigen Wanderschaft in der Wüste als Nahrung diente. Selbst im Koran wird dieses Brot des Lebens als „Essen von den guten Dingen“ empfohlen. Da Manna aber leider nicht in den Staatshaushalt regnet, könnte man Maas jenen Seufzer zurufen, mit dem Claudia Roth Pegida beschied: „Herr, lass Verstand regnen.“

Besonders vielen moralisch bewegten Pseudo-Wohltätern begegnen wir in der Rentendiskussion, wo zur angeblichen Vermeidung von Altersarmut ein konstantes oder sogar anzuhebendes Rentenniveau von der SPD bis zu Teilen der CDU gefordert wird. Klingt sozial, wäre aber eine einseitige Belastung zukünftiger Generationen, die ab 2040 nach Berechnungen 27 Prozent in die gesetzliche Rentenversicherung für jene einzahlen müssten, die zuvor mit im Durchschnitt noch 20 Prozent davongekommen waren. Nur die Zusage für ein konstantes Rentenniveau würde Arbeitnehmer mit zusätzlichen Belastungen im dreistelligen Bereich belasten.

Gemeinwohl sollte in der Politik keine Sache empathischer Sonntagsreden, sondern die schlichte Organisation von Interessenausgleich sein. Verteilungs-Spezialisten aus allen Parteien sollten dabei immer wissen, dass die ihnen zur Verfügung stehenden Summen von Steuerzahlern hart erarbeitet wurden und sie nur treuhänderisch für ihre Wähler unterwegs sind. Die Fürsorge für die nächste Generation wäre das schönste Wahlgeschenk.

politik@fnp.de

Zur Startseite Mehr aus Meinung der Redaktion

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse